Der sd-Wert beschreibt die diffusionsäquivalente Luftschichtdicke eines Baustoffs oder einer Beschichtung und gibt an, wie stark ein Material die Diffusion von Wasserdampf behindert. Die Angabe erfolgt in Metern und vergleicht den Widerstand des Materials mit dem einer ruhenden Luftschicht gleicher Dicke. Je kleiner der sd-Wert, desto durchlässiger ist das Material für Wasserdampf – ein entscheidender Faktor bei der Planung von Fassadensystemen und mehrschichtigen Wärmedämmverbundsystemen (WDVS), um Kondensationsrisiken zu vermeiden.

Wie berechnet sich der sd-Wert?

Der sd-Wert ergibt sich aus der Multiplikation der Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl μ (mü) mit der Materialdicke in Metern: sd = μ × s. Die μ-Zahl gibt an, um welchen Faktor ein Material gegenüber Wasserdampf dichter ist als eine gleich dicke, ruhende Luftschicht. Ein praktisches Rechenbeispiel verdeutlicht das Konzept: Eine Fassadenfarbe mit 100 μm Trockenschichtdicke und einem sd-Wert von 0,05 m ist für Wasserdampf so durchlässig wie eine 5 cm dicke, ruhende Luftschicht. Wird die Schichtdicke auf 200 μm verdoppelt, steigt der sd-Wert auf 0,1 m – gleichbedeutend mit 10 cm Luftschichtdicke.

Was ist die Wasserdampf-Diffusionsstromdichte?

Die Wasserdampf-Diffusionsstromdichte V ist nach DIN EN ISO 7783 diejenige Menge an Wasserdampf in Gramm pro Quadratmeter Fläche, welche bei definiertem Wasserdampfdruckgefälle in 24 Stunden durch eine Beschichtung hindurchdiffundieren kann. In EN ISO 7783 werden das Feuchtschalen- (23° C, 50 % bis 93 % rF) und das Trockenschalenverfahren (23° C, 50 % bis 3 % rF) beschrieben. Aus der Wasserdampf-Diffusionsstromdichte V kann der sd-Wert einer Fassadenputz-Beschichtung berechnet werden.

Nach DIN EN ISO 7783 können für die Messungen sowohl freie Beschichtungsfilme als auch Beschichtungen auf Trägermaterialien verwendet werden, deren V-Wert über 240 g/(m² × d) liegt und bekannt sein muss. Wegen der hohen Messungenauigkeit der Bestimmungsmethode täuscht die exakte Angabe von Kennwerten eine irreführende Genauigkeit vor. Eine Einteilung in Klassen ist daher sinnvoll und ausreichend.

Welche Normklassen regeln die Wasserdampfdurchlässigkeit?

Die DIN EN 1062-1 klassifiziert Beschichtungssysteme für den Außenbereich auf mineralischen Putzen und Beton in drei Stufen:

  • Klasse V1 (hoch wasserdampfdurchlässig): sd-Wert kleiner 0,14 m
  • Klasse V2 (mittel wasserdampfdurchlässig): sd-Wert zwischen 0,14 m und 1,4 m
  • Klasse V3 (niedrig wasserdampfdurchlässig): sd-Wert größer 1,4 m

Die DIN 18558 für organische Beschichtungen mit putzartigem Aussehen definiert eine Beschichtung als wasserdampfdiffusionsfähig, wenn der sd-Wert maximal 2,0 m beträgt. Ergänzend stuft die DIN 4108 Teil 3 Materialien mit sd-Werten bis 0,5 m als dampfdiffusionsoffen ein, zwischen 0,5 m und 10 m als dampfdiffusionsbremsend, zwischen 10 m und 100 m als diffusionshemmend, zwischen 100 m und 1.500 m als diffusionssperrend und ab 1.500 m als dampfdiffusionsdicht.

Welche Rolle spielt der sd-Wert bei Fassadenbeschichtungen?

Fassadenbeschichtungen mit niedrigem sd-Wert ermöglichen eine rasche Trocknung nach Schlagregen und beugen Algen- oder Pilzbewuchs vor. Hochdampfdurchlässige Farben der Klasse V1 eignen sich besonders für Altbauten mit diffusionsoffenen Untergründen und historischen mineralischen Putzen. Beschichtungen mit höheren sd-Werten bieten hingegen verbesserten Schutz gegen Schlagregen und können bei modernen, mehrschichtigen Fassadensystemen sinnvoll sein – sofern die Dampfbremse innen deutlich dichter ist als die Außenschicht.

Wie wirkt sich der sd-Wert auf Bauanschlussfugen aus?

Bei beheizten Gebäuden empfiehlt sich ein höherer sd-Wert auf der Innenseite der Anschlussfuge als außen. Der größere Dampfdiffusionswiderstand innen erschwert das Eindringen von Luftfeuchtigkeit in die Fuge und verringert so das Kondensationsrisiko. Niedrige sd-Werte außen begünstigen hingegen den schnellen Abfluss von Feuchteströmen, sodass die Fuge permanent abtrocknen kann. Für mehrschichtige Bauteile wird der sd-Wert schichtenweise ermittelt und addiert. Bei komplexen Wandaufbauten mit Dämmstoffdicken, Grundierungen und Deckschichten lässt sich so das Gesamtverhalten gegenüber Wasserdampf kalkulieren.