Die BOLD GmbH & Co. KG hat den Zuschlag für den Neubau des Kinder- und Jugendtreffs Südstadt in Karlsruhe erhalten. Das Amt für Hochbau und Gebäudewirtschaft der Stadt Karlsruhe vergab den Auftrag für 1.387.962 EUR. Das Projekt umfasst den Abbruch bestehender Bausubstanz, den Neubau des Treffs sowie die Installation einer Photovoltaik-Anlage. Die Bekanntmachung wurde am 29. September 2026 veröffentlicht. Aus Sicht der Nachhaltigkeit ist der Auftrag bemerkenswert: Der Auftraggeber schreibt im Rohbau ausdrücklich Sonderbeton nach Eigenschaften mit 100-Prozent-Rezyklatanteil gemäß ZiE vor – Rezyklat-Beton mit Zustimmung im Einzelfall. Diese Vorgabe positioniert das Projekt in der Vorreiterrolle öffentlicher Beschaffung für Recyclingbaustoffe im Hochbau.

Welche Mengen umfasst der Rohbau-Auftrag? Der Leistungsumfang deckt alle Betonarbeiten im Rohbau ab, einschließlich Entwässerungskanalarbeiten, Einlegearbeiten Elektro, Erdarbeiten, der Ausbildung einer Weißen Wanne sowie Abdichtungs- und Dämmarbeiten. Die Bekanntmachung nennt folgende zusammengefasste Mengen: 600 m³ R-Beton als Ortbeton, 70 t Bewehrungsstahl, 2.000 m² Wandschalung, davon 1.200 m² mit Sichtbetonanforderung, 1.000 m² Deckenschalung, 800 m² Abdichtungs- und Dämmarbeiten, 600 m³ Arbeitsraumverfüllung, 400 m³ Rohrgrabenaushub, 600 m erdverlegte Leitungen, 900 m Leerrohre als Einlegearbeiten.

Die Einstufung als „Sonderbeton" in Kombination mit der ZiE-Anforderung signalisiert, dass das Material von den Regel-Zulassungen abweicht. Rezyklat-Beton mit 100 Prozent Gesteinskörnungsersatz ist bislang in technischen Regeln nicht als Standardlösung abgedeckt. Projekte dieser Art erfordern eine bauaufsichtliche Einzelfallprüfung – in der Regel über eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE) durch die oberste Landesbauaufsicht. Die Stadt Karlsruhe setzt damit ein Signal für zirkuläres Bauen im kommunalen Hochbau, das über die bislang übliche Teilsubstitution hinausgeht.

Warum ist 100-Prozent-Rezyklatbeton eine regulatorische Herausforderung? Rezyklierte Gesteinskörnungen aus Bau- und Abbruchabfällen unterliegen höheren Qualitätsanforderungen als Primärbaustoffe, da die Zusammensetzung variabler ist. Anforderungen an Druckfestigkeit, Chloridgehalt, Sulfatbeständigkeit und die Dauerhaftigkeit der Zementmatrix müssen bei hohen Rezyklatanteilen über Eignungsprüfungen nachgewiesen werden. In der Praxis dominieren bislang RC-Betone mit niedrigeren Rezyklatanteilen, die unter die Regelbauart fallen. Ein 100-Prozent-Anteil erfordert geänderte Rezepturen, angepasste Fließmittel und oft den Einsatz von Zusatzstoffen wie Hüttensand oder Flugasche zur Steuerung der Hydratationswärme und der Porosität. Das Projekt in Karlsruhe zeigt, dass öffentliche Auftraggeber zunehmend den regulatorischen Aufwand akzeptieren, um den Primärrohstoffverbrauch zu senken. Vergleichbare Beispiele finden sich in kommunalen Neubauten mit dezidierten Nachhaltigkeitszielen. Die Bauschuttverordnung und die geplante EU-Taxonomie für nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten erhöhen den Druck auf Kommunen, den Anteil von Sekundärbaustoffen zu dokumentieren und zu erhöhen.

Verfahren und nächste Schritte: Die Vergabe erfolgte im offenen Verfahren. Die CPV-Codes 45223220 (Tragwerksarbeiten) und 45262311 (Betonarbeiten für Gebäude) kennzeichnen den Leistungsgegenstand. Weitere Angaben zu Anzahl der Angebote oder zu geschätzten Werten liegen nicht vor. Die Entscheidung für R-Beton mit 100 Prozent Rezyklatanteil steht exemplarisch für die Transformation öffentlicher Beschaffung in Richtung CO₂-Intensität und Ressourcenschonung. Ob die Lösung über die ZiE hinaus in künftige Regel-Zulass