Fließmittel sind Betonzusätze, die die Verarbeitbarkeit und Fließfähigkeit von Frischbeton erhöhen, ohne die Wassermenge zu erhöhen. Sie ermöglichen es, bei gleichbleibender Konsistenz weniger Wasser einzubauen oder bei gleicher Wassermenge eine höhere Fließfähigkeit zu erzielen.

Wirkungsweise

Fließmittel wirken durch oberflächenaktive Substanzen, die sich an der Oberfläche von Zementkörnen anlagern. Dies führt zu einer elektrostatischen Abstoßung der Körner und damit zu einer Verringerung der inneren Reibung. Gleichzeitig reduzieren sie die Oberflächenspannung des Porenwassers und verbessern die Benetzung der Zuschlagstoffe.

Kategorien und Zusammensetzung

Nach DIN EN 480-1 werden Fließmittel eingeteilt in:

  • Lignosulfonate: Natürliche Abbauprodukte aus der Holzverarbeitung
  • Naphthalinformaldehyd-Kondensat: Organische Stoffe mit starker Verzögerungswirkung
  • Melamininformaldehyd-Kondensat: Synthetisch hergestellte Polyelektrolyte
  • Polycarboxylate: Moderne, hochwerksame Fließmittel mit guter Dosierungsgenauigkeit

Dosierung und Wirkungen

Typische Dosierungen liegen zwischen 0,1 und 1,0 % der Zementmasse (DIN EN 480-1). Die Dosiermenge hängt vom Zementtyp, der Betonzusammensetzung und dem angestrebten Konsistenzbereich ab.

Mit Fließmitteln lassen sich folgende Effekte erzielen:

  • Erhöhung des Ausbreitmaßes um 100 bis 250 mm
  • Wassereinsparung von 5 bis 15 % bei gleicher Konsistenz
  • Festigkeitssteigerung durch reduziertes w/z-Verhältnis
  • Verbesserte Pumpbarkeit und Verdichtbarkeit
  • Reduzierung von Entmischungsneigung

Auswirkungen auf Frisch- und Festbeton

Im Frischbeton kann eine unzureichend dosierte oder ungeeignete Fließmittelsorte zu Entmischung führen. Überkonzentrierte Dosierungen können Verzögerungen des Erstarrens um 2 bis 6 Stunden verursachen, besonders bei Naphthalin- oder Melaminkondensaten.

Bei Festbeton erhöhen Fließmittel durch die Reduktion des w/z-Verhältnisses die Druckfestigkeit um bis zu 15 %, ohne die Dauerhaftigkeit zu beeinträchtigen. Sie beeinflussen die Porenstruktur günstig und verbessern den Frost- und Frost-Tausalzwiderstand.

Normative Anforderungen

Fließmittel müssen den Anforderungen von DIN EN 480-1 entsprechen und sind dort in die Typen F1 und F2 eingeteilt. Die Kompatibilität mit anderen Betonzusätzen und Zementarten muss vor der Verarbeitung geprüft werden, da unerwünschte Wechselwirkungen auftreten können.

Anwendungsbereiche

Fließmittel werden eingesetzt bei hochfestem Beton, Pumpbeton, Sichtbeton, dichtem Beton und bei Verarbeitung in ungünstigen Temperaturbedingungen. Sie sind auch für die Herstellung selbstverdichtender Betone unverzichtbar.