Die CO₂-Intensität ist eine Kennzahl, die die Masse an CO₂-Emissionen bezogen auf eine funktionale Einheit eines Bauprodukts angibt. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen Treibhausgasemissionen und Produktmenge und wird typischerweise in kg CO₂-Äquivalenten pro Tonne (kg CO₂-eq/t), pro Kubikmeter oder pro Stück angegeben.

Berechnung und Systemgrenzen

Die CO₂-Intensität wird nach Lebenszyklusanalysen (Life Cycle Assessment, LCA) gemäß DIN EN 15804 bzw. EN 15978 ermittelt. Sie umfasst in der Regel die Herstellungsphase (Modul A1–A3), kann aber auch Transport (A4–A5), Nutzung (B) und End-of-Life-Szenarien (C) einschließen. Die Systemgrenze beeinflusst die Kennzahl erheblich: Zement beispielsweise weist eine CO₂-Intensität von 600–900 kg CO₂-eq/t auf, wenn nur die Klinkerproduktion berücksichtigt wird, liegt aber unter 500 kg CO₂-eq/t, wenn Substitutionsgutschriften für Koppelprodukte angerechnet werden.

Typische Werte für Baustoffe

Stahlbeton: 250–350 kg CO₂-eq/t

Mauerwerk (Vollziegel): 200–280 kg CO₂-eq/t

Dämmstoffe (EPS): 3–5 kg CO₂-eq/m³

Holzwerkstoffe: 20–80 kg CO₂-eq/m³ (teilweise carbon-negativ durch Speicherung)

Mineralische Dämmung (Mineralwolle): 10–40 kg CO₂-eq/m³

Gips: 30–50 kg CO₂-eq/t

Anwendung in Planung und Ausschreibung

Die CO₂-Intensität dient als Bewertungskriterium in Nachhaltigkeitszertifizierungen (DGNB, LEED, BNB) und zunehmend als Ausschreibungskriterium. Nach Gebäudeenergiegesetz (GEG) müssen Neubauten einen maximalen Primärenergiebedarfs erfüllen; CO₂-Intensität von Baustoffen ist zentraler Hebel für graue Energie. Planer und Einkäufer nutzen Umweltproduktdeklarationen (EPD) nach ISO 14025, um Hersteller und Materialien vergleichbar zu bewerten.

Einflussfaktoren

Energieträger der Herstellung (fossil vs. erneuerbar), Transportentfernung, Materialeffizienz, Recyclingquoten und regional verfügbare Rohstoffe beeinflussen die CO₂-Intensität erheblich. Recycelte oder rückgewonnene Materialien führen durch Substitutionsgutschriften zu niedrigeren Werten. Hersteller, die Ökostrom oder Biomasse nutzen, erreichen teilweise 30–50 % niedrigere Emissionen.

Bedeutung für Materialwahl

Die CO₂-Intensität ist ein Werkzeug zur Reduktion der Baustoff-Embodied Carbon und trägt zur Bilanzierung der gesamten Lebenszyklusemissionen (Scope 3) bei. Sie ermöglicht Vergleiche zwischen funktional äquivalenten Produkten und unterstützt transparente Ausschreibungsprozesse.