Das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland meldet für Juni 2026 einen Auftragszuwachs von 3,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ergibt sich für das zweite Quartal ein Plus von 1,3 Prozent, im Vorjahresvergleich lag die Nachfrage arbeitstäglich bereinigt um 6,5 Prozent höher. Die Zahlen sind preis-, kalender- und saisonbereinigt. Ausschlaggebend für die jüngste Zunahme war vor allem ein deutlicher Anstieg der Inlandsaufträge um 7,8 Prozent, während die Auslandsnachfrage nahezu stagnierte (+0,2 Prozent). Allerdings bleibt die Auftragslage bei genauerer Betrachtung volatil: Der Zuwachs ist maßgeblich auf Großaufträge zurückzuführen – ohne deren Berücksichtigung verzeichneten die Auftragsbücher einen Rückgang von 0,5 Prozent.

Metallerzeugnisse und Maschinenbau mit deutlichen Zugewinnen

Unter den für die Baustoffindustrie relevanten Wirtschaftszweigen sticht der Maschinenbau mit einem Auftragsplus von 12,7 Prozent hervor, gestützt vor allem durch Großaufträge aus dem Inland. Baustahl und Bewehrungsstahl produzierende Betriebe im Bereich Metallerzeugnisse registrierten ein Plus von 2,4 Prozent. Auch Kfz und Kfz-Teile verzeichneten Zuwächse von 3,8 Prozent. Diese Entwicklung deutet auf eine anhaltende Nachfrage nach metallischen Werkstoffen für Bau- und Infrastrukturprojekte hin.

Das Bundeswirtschaftsministerium führt die starken Zuwächse bei den Investitionsgüterproduzenten – insgesamt +6,4 Prozent nach schwachem Jahresauftakt – insbesondere auf öffentliche Beschaffungen im Rahmen der Modernisierung der Bundeswehr sowie auf Aufträge im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität zurück. Diese öffentlichen Investitionen dürften mittelfristig auch die Nachfrage nach Konstruktionswerkstoffen wie Beton, Stahlbeton und grünem Stahl stützen.

Vorleistungsgüter und Chemie unter Druck

Während die Investitionsgüter-Branche zulegt, mussten Produzenten von Vorleistungsgütern einen erneuten Rückgang von 2,5 Prozent hinnehmen. Besonders rückläufig zeigten sich chemische Güter (-3,2 Prozent) und pharmazeutische Güter (-5,3 Prozent). Für die Baustoffbranche ist diese Entwicklung von Bedeutung, da chemische Grundstoffe für Bauchemie-Produkte wie Betonzusatzmittel, Mörtel-Additive und Abdichtungssysteme benötigt werden. Ein anhaltender Rückgang in diesem Segment könnte sich auf die Verfügbarkeit und Preisgestaltung bauchemischer Produkte auswirken.

Die Konsumgüterproduzenten bestätigten hingegen ihren seit Längerem anhaltenden Aufwärtstrend mit einem Plus von 4,2 Prozent. Hierzu zählen auch Hersteller von Fliesen, Dachziegeln und anderen keramischen Bauprodukten, die überwiegend im Bereich der Endverbraucher-Märkte tätig sind.

Auslandsaufträge stark schwankend

Die Bestellungen aus dem Ausland zeigen sich laut Bundeswirtschaftsministerium trotz geopolitischer Konflikte bemerkenswert robust, unterliegen jedoch starken Schwankungen. Während die Aufträge aus dem Euroraum im Mai noch um 7,9 Prozent zunahmen, war im Juni ein Rückgang von minus 14 Prozent zu verzeichnen. Dagegen stiegen die Bestellungen aus dem Nicht-Euroraum im Juni um 10,2 Prozent, nach einem Rückgang um minus 5,3 Prozent im Mai. Diese Volatilität erschwert die Planungssicherheit für exportorientierte Baustoffhersteller wie Heidelberg Materials, Wienerberger und Saint-Gobain, die einen erheblichen Teil ihrer Produktion in den Export leiten.

Bedeutung für die Baustoffindustrie

Die aktuellen Auftragszahlen senden gemischte Signale an die Baustoffbranche. Einerseits deutet die kräftige Binnennachfrage und das Plus bei Metallerzeugnissen auf eine stabile Nachfrage nach Konstruktionswerkstoffen hin. Die öffentlichen Investitionen in Infrastruktur und Klimaneutralität schaffen Aufträge für Betonfertigteile, Stahlkonstruktionen und Dämmstoffe im Rahmen der energetischen Sanierung. Andererseits dämpfen die Schwäche bei Vorleistungsgütern und die starken Schwankungen im Exportgeschäft die mittelfristige Planbarkeit.

Besonders relevant für die Baustoffindustrie ist der Zusammenhang zwischen Investitionsgüterboom und dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität. Projekte zur CO₂-Reduzierung im Betonbau, zum Ausbau erneuerbarer Energien und zur Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur erfordern erhebliche Mengen an Zement, Mineralwolle-Dämmung und metallischen Werkstoffen. Hersteller, die sich auf CO₂-arme und kreislauffähige Produkte spezialisiert haben, dürften von diesem Trend überproportional profitieren.

Ausblick: Volatilität bleibt bestimmend

Die Abhängigkeit vom Großauftragsgeschäft – ohne Großaufträge wäre das Ordervolumen im Juni rückläufig gewesen – zeigt die Fragilität der Erholung. Für die Baustoffbranche bedeutet dies, dass sich die positive Entwicklung nicht gleichmäßig über alle Segmente erstreckt. Während öffentliche Auftraggeber und Infrastrukturprojekte Impulse setzen, bleibt das private Bauvolumen zurückhaltend. Die starken Schwankungen im Exportgeschäft erfordern zudem flexible Produktions- und Lagerstrategien.

Die für August erwarteten Folgedaten werden zeigen, ob sich die positive Tendenz verstetigt oder ob der Juni-Zuwachs lediglich ein punktueller Ausschlag war. Entscheidend wird sein, ob die öffentlichen Investitionsprogramme tatsächlich in konkrete Bauaufträge münden und ob die Nachfrage aus dem Ausland stabilisiert werden kann. Für Baustoffhersteller bleibt die Fokussierung auf nachhaltige, CO₂-arme Produkte und die Erschließung öffentlicher Beschaffungsmärkte strategisch zentral.