Die puren gmbh hat am 17. September 2026 die dritte Fertigungslinie für den Werkstoff Purenit im Werk Obermarchtal eingeweiht. Die Gesamtinvestition beziffert das Unternehmen auf rund 50 Millionen Euro; die Produktionskapazität am Standort verdreifacht sich damit. Zu den bestehenden 65 Arbeitsplätzen kommen 40 weitere, die stufenweise besetzt werden sollen. Zum Festakt kamen rund 320 Gäste aus Politik, Industrie und Forschung.
Kreislaufwirtschaft als Produktionsprinzip, nicht als Zielbild
Purenit entsteht aus Nebenprodukten und Materialresten der Dämmstoffproduktion — heute zu bis zu 90 Prozent. Geschäftsführer Dr. Andreas Huther bezeichnete die Weiterverarbeitung solcher Reste als Thema, das das Unternehmen bereits wenige Jahre nach seiner Gründung beschäftigt habe: „Kreislaufwirtschaft für PU-Hochleistungsdämmstoffe wie auch für purenit ist keine Vision, sondern kann ganz konkret in der Praxis umgesetzt werden.“ Mit der Erweiterung sei neben der Kapazität auch eine digital gesteuerte und vollautomatisierte Fertigung für den Werkstoff realisiert worden.
ISCC PLUS und der Hebel beim Bindemittel
Parallel zur neuen Anlage hat puren die gesamte Purenit-Produktion vom TÜV Süd nach dem Standard ISCC PLUS zertifizieren lassen. Das freiwillige Zertifizierungssystem verfolgt nachhaltige Rohstoffe entlang der Lieferkette und macht den Einsatz alternativer Materialien in bestehenden Industrieprozessen belegbar.
Der nächste Ansatzpunkt ist das Bindemittel: Mit biozirkulärem, in seiner Gesamtheit klimaneutralem MDI-Bindemittel von Covestro will puren den CO₂-Fußabdruck des verbleibenden Bindemittelanteils senken. „Für unsere Kunden bedeutet dies: der gleiche Werkstoff mit unveränderter technischer Leistungsfähigkeit und der gewohnten Materialqualität – bei einem um bis zu zwei Drittel reduzierten Product Carbon Footprint – in einer Cradle-to-Gate-Betrachtung“, so Huther.
Landespolitik wertet die Erweiterung als Standortsignal
Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg, ordnete die Werkserweiterung in den Zusammenhang der industriellen Transformation ein. Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft seien nicht nur Instrumente des Klimaschutzes, sondern auch von wirtschaftlicher Bedeutung für den Industriestandort: „Die puren gmbh beweist eindrucksvoll, dass Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und die Energiewende keine Bremsklötze für die Industrie darstellen, sondern – wie überhaupt die gesamte GreenTech-Branche – echte Jobmotoren und Wachstumstreiber sind.“
Gebäudehülle als Voraussetzung der Wärmewende
Prof. Dr. Andreas Holm, Leiter des Forschungsinstituts für Wärmeschutz München, rückte unter dem Titel „Energieeffizienz – das verlorene Kind“ die Gebäudehülle in den Mittelpunkt. Eine energetisch optimierte Hülle senke nicht nur den Wärmebedarf, sondern verbessere die Effizienz von Wärmepumpen, reduziere die notwendigen Netzkapazitäten und mache Gebäude widerstandsfähiger gegen Energiepreissprünge. Seine Formel: „Energieeffizienz ist keine Alternative zur Wärmewende. Sie ist ihre Voraussetzung.“
Einordnung
Kapazitätsverdreifachung bei einem Werkstoff, der aus Produktionsresten entsteht, ist mehr als eine Standortmeldung: Sie setzt voraus, dass genug Reststoff anfällt und dass der Absatz mitwächst. Interessant für Planer und Verarbeiter ist weniger die Investitionssumme als die Kombination aus rund 90 Prozent Sekundärrohstoffanteil, externer Zertifizierung und der angekündigten Reduktion des Product Carbon Footprint — drei Angaben, die sich in Ausschreibungen und Nachhaltigkeitsnachweisen verwenden lassen. Ob der Bindemittel-Effekt in der angegebenen Größenordnung ankommt, wird sich an den künftigen Umweltproduktdeklarationen ablesen lassen.
Quelle: Presse-Kit der puren gmbh, Überlingen, zur Einweihung des purenit-Werkes Obermarchtal am 17.09.2026.


