Eine Auszeichnung, die exemplarisch für die Transformation der europäischen Baustoffindustrie steht: Wienerberger wurde gemeinsam mit dem Austrian Institute of Technology (AIT) mit dem Net-Zero Industries Award der Europäischen Kommission ausgezeichnet. Der Award honoriert konkrete Lösungen zur Dekarbonisierung energieintensiver Industrieprozesse und signalisiert die strategische Priorität der EU, die Baustoffproduktion klimaneutral zu gestalten. Für die Ziegel- und Keramikbranche, deren Brennprozesse traditionell hohe CO₂-Emissionen verursachen, markiert die Auszeichnung einen Wendepunkt.

Die Kooperation zwischen Wienerberger und dem AIT konzentriert sich auf die Entwicklung und Validierung von Technologien, die den Energiebedarf und die Emissionen in der Ziegelproduktion signifikant reduzieren. Im Fokus stehen dabei optimierte Brennverfahren, alternative Brennstoffe und Prozesswärme-Rückgewinnung. Während konventionelle Ziegelwerke im Brennprozess Temperaturen von bis zu 1.000 °C erreichen und dabei primär fossile Energieträger einsetzen, zielen die ausgezeichneten Innovationen auf eine substanzielle Reduktion des spezifischen Energiebedarfs pro Tonne gebranntem Material. Die Zusammenarbeit mit dem AIT ermöglicht dabei die wissenschaftliche Begleitung und messtechnische Validierung der Prozessoptimierungen.

Der Net-Zero Industries Award reiht sich ein in eine Serie von Initiativen, mit denen die EU-Kommission die Dekarbonisierung der Grundstoffindustrie vorantreibt. Für Planer und Architekten gewinnt die CO₂-Bilanz von Baustoffen zunehmend an Bedeutung, da Environmental Product Declarations (EPD) und Lebenszyklusanalysen nach EN 15804 zum Standard in der Ausschreibungspraxis werden. Wienerberger positioniert sich mit der Award-Auszeichnung gezielt im Wettbewerb um klimaoptimierte Wandbaustoffe, der sich zunehmend zwischen keramischen Materialien, Kalksandstein und Porenbeton verschärft. Die Marktdynamik wird zusätzlich durch die EU-Taxonomie und nationale Förderprogramme beeinflusst, die CO₂-arme Bauweisen bevorzugen.

Die Auszeichnung fällt in eine Phase intensiver Konsolidierung im europäischen Ziegelmarkt. Erst kürzlich hatte Wienerberger die Übernahme von Creaton vollzogen, was die Marktposition des Konzerns im Segment Dachziegel deutlich stärkte. Die nun prämierte Technologieführerschaft bei dekarbonisierten Produktionsverfahren kann als strategischer Wettbewerbsvorteil interpretiert werden, insbesondere in Märkten mit verschärften Klimaauflagen. Parallel investieren auch andere Baustoffhersteller in CO₂-Reduktion: Etex und Heidelberg Materials treiben das Faserzement-Recycling voran, während im Dämmstoffsektor ISOVER Nachhaltigkeit als Wachstumstreiber nutzt. Die europaweite Transformation der Baustoffindustrie zur Klimaneutralität beschleunigt sich damit messbar.