Wienerberger gehört zu den größten Herstellern keramischer Baustoffe in Europa und bedient mit seinen Ziegelprodukten sowohl den Markt für tragendes Mauerwerk als auch für Fassaden- und Dachsysteme. Das Produktportfolio ist technisch auf drei Anforderungsprofile ausgerichtet: monolithisches Bauen mit hohem Wärmeschutz, zweischaliges Mauerwerk mit vorgehängten Fassaden sowie Dachsysteme für geneigte Dächer. Die Positionierung erfolgt über die Marken Porotherm (hoch wärmedämmende Planziegel), Terca (Verblender und Klinker) sowie Koramic (Dachziegel).
Porotherm: Planziegel für monolithisches Mauerwerk
Die Porotherm-Serie adressiert vor allem den mehrgeschossigen Wohnungsbau und richtet sich an Planer, die monolithische Wandaufbauten ohne zusätzliche Außendämmung realisieren wollen. Die Produktvarianten erreichen Lambda-Werte zwischen 0,06 und 0,09 W/(m·K), abhängig von Rohdichte und Perforationsgrad. Typische Vertreter wie der Porotherm T9 oder T8 arbeiten mit Perlitfüllung und geschlossenen Kammersystemen, um die Wärmeleitfähigkeit zu senken. Die Druckfestigkeit liegt je nach Ausführung zwischen 2 und 12 N/mm², was den Einsatz bis zur Gebäudeklasse 5 (GK 5) ermöglicht. Für die Anwendung im Passivhaus-Standard sind Wandaufbauten ab 36,5 cm Dicke erforderlich, um ohne zusätzliches WDVS auf U-Werte unter 0,15 W/(m²·K) zu kommen.
Technisch relevant ist die Einbindung in Plansysteme: Porotherm-Ziegel werden mit Nut-Feder-Verbindung und Planschliff geliefert, was eine stoßfugenfreie Verlegung ermöglicht. Dies reduziert Wärmebrücken und beschleunigt die Verarbeitung auf der Baustelle. Die Verarbeitung erfolgt mit Dünnbettmörtel (Schichtdicke < 3 mm), der die horizontale Fuge minimiert. In Kombination mit der Verwendung von Leichtmörtel für vertikale Stoßfugen werden Wärmeverluste weiter reduziert.
Terca: Klinker und Verblender für zweischalige Konstruktionen
Unter der Marke Terca vertreibt Wienerberger vollkeramische Verblender und Klinker für vorgehängte oder zweischalige Fassadensysteme. Die Produktpalette umfasst über 150 Farb- und Oberflächenvarianten, die durch unterschiedliche Tonmischungen und Brenntemperaturen (1.000–1.300 °C) erzielt werden. Technisch unterscheiden sich Klinker von Verblendern durch die Wasseraufnahme: Klinker weisen gemäß DIN 105-100 eine Wasseraufnahme von < 6 % auf, Verblender liegen darüber. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Frostbeständigkeit und die Einsatzfähigkeit in exponierten Lagen.
Terca-Klinker werden häufig in Kombination mit hinterlüfteten Fassadensystemen oder als Vorsatzschale im Kerndämmungsaufbau eingesetzt. Die Rohdichte liegt zwischen 1,8 und 2,2 kg/dm³, die Druckfestigkeit erreicht je nach Brenngrad bis zu 60 N/mm². Für die Dimensionierung sind insbesondere die Anforderungen an Schlagregendichtheit (nach DIN 4108-3) und die Anforderungen an die Dauerhaftigkeit (gemäß Eurocode 6) relevant. Wienerberger liefert für alle Terca-Produkte Prüfzeugnisse zur Frost-Tausalz-Beständigkeit sowie zur Festigkeitsklassifizierung.
Koramic: Dachziegel für geneigte Dächer
Die Koramic-Reihe deckt den Markt für keramische Dachziegel ab. Das Portfolio umfasst Flachziegel, Falzziegel und Großformate für Dachneigungen ab 10°. Technisch relevant ist die Wasserdichtheit bei unterschiedlichen Dachneigungen: Während Flachziegel eine Mindestdachneigung von 22° erfordern, können Falzziegel bereits ab 10° verlegt werden, sofern eine zusätzliche Unterdeckung (z. B. diffusionsoffene Folie) eingebaut wird.
Die keramischen Dachziegel von Wienerberger erreichen Lebensdauern von über 80 Jahren bei geringem Wartungsaufwand. Die Beständigkeit gegen UV-Strahlung und Frostzyklen wird durch die vollkeramische Brennung sichergestellt. Im Vergleich zu Betondachsteinen bieten keramische Ziegel eine geringere Neigung zur Verschmutzung und Veralgung, was insbesondere in schattigen Lagen relevant ist.
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
Wienerberger hat in den letzten Jahren verstärkt in die Kreislauffähigkeit seiner Produkte investiert. Keramische Baustoffe wie Ziegel sind grundsätzlich zu 100 % recyclebar, allerdings erfolgt die Wiederverwendung derzeit überwiegend als Zuschlagstoff in Betonrezepturen oder als Schüttung im Tiefbau. Eine sortenreine Rückführung in den Ziegelproduktionsprozess ist technisch möglich, aber wirtschaftlich noch nicht flächendeckend etabliert. Wienerberger hat in diesem Kontext Pilotprojekte zur Wiederverwendung von Ziegelbruch in neuen Rohstoffmischungen gestartet, um den Primärrohstoffeinsatz zu senken.
Die EPD-Daten für Porotherm-Ziegel weisen CO₂-Emissionen zwischen 120 und 180 kg CO₂-äq./m³ auf, abhängig von Brenntemperatur und Transportentfernung. Im Vergleich zu Kalksandstein (ca. 90 kg CO₂-äq./m³) oder Porenbeton (ca. 110 kg CO₂-äq./m³) liegen Ziegel im mittleren Bereich. Der Vorteil liegt in der langen Nutzungsdauer und der Wiederverwendbarkeit.
Marktposition und Wettbewerbsumfeld
Wienerberger hält in Europa einen Marktanteil von rund 15 % im Segment keramische Wandbaustoffe. Hauptkonkurrenten sind Röben im Klinkerbereich sowie regionale Ziegelhersteller wie Erlus und Creaton im Dachziegelmarkt. Die Differenzierung erfolgt über technische Parameter wie Wärmeleitfähigkeit, Druckfestigkeit und Verarbeitungsfreundlichkeit sowie über die Verfügbarkeit von EPDs und Nachhaltigkeitszertifikaten.
Aktuelle Produktentwicklungen konzentrieren sich auf die Integration von Phase-Change-Materials (PCM) in Ziegelkörper zur thermischen Speicherung sowie auf die Senkung der Brenntemperaturen durch modifizierte Tonmischungen. Beide Ansätze zielen auf eine Reduktion des Primärenergiebedarfs und der CO₂-Emissionen in der Produktion ab.
