Die Verwendung von Beton, Dämmstoffen oder Brettsperrholz (CLT) auf deutschen Baustellen folgt einem dreistufigen Regelungssystem. Die Landesbauordnungen definieren allgemeine Anforderungen an bauliche Anlagen. Technische Baubestimmungen konkretisieren diese Vorgaben. Verwendbarkeitsnachweise wie die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder die Europäische Technische Bewertung belegen, dass ein Bauprodukt die Anforderungen erfüllt. Alle drei Ebenen sind in den 16 Landesbauordnungen verankert, die auf der Musterbauordnung basieren.
Welche Rechtsgrundlagen gelten?
Die Musterbauordnung bildet das gemeinsame Muster für die 16 Landesbauordnungen. Nach § 3 Absatz 1 MBO sind bauliche Anlagen so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden. Diese allgemein definierten Anforderungen werden durch Technische Baubestimmungen konkretisiert. Die Umsetzung erfolgt über die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen, kurz MVV TB.
Rechtsgrundlage für die Erteilung von Verwendbarkeits- und Anwendbarkeitsnachweisen sind die Bestimmungen des Bundeslandes, in dem der Antragsteller seinen Sitz hat. Für die Verwendung eines Bauprodukts gelten hingegen die Bestimmungen des Bundeslandes, in dem das Bauprodukt eingesetzt werden soll. Diese Trennung zwischen Erteilungs- und Geltungsbereich ist in der Praxis bedeutsam.
Was leisten Technische Baubestimmungen?
Das Deutsche Institut für Bautechnik (DIBt) veröffentlicht im Auftrag der Länder die MVV TB. Sie dient als Grundlage für die Umsetzung in Landesrecht. Die Länder übernehmen die Musterliste mit mehr oder weniger großen Abweichungen in ihre eigenen Technischen Baubestimmungen. Die MVV TB wird in regelmäßigen Abständen, in der Regel jährlich, neu herausgegeben. Die aktuelle Ausgabe MVV TB 2025/1 wurde im Mai veröffentlicht.
Technische Baubestimmungen enthalten zahlreiche technische Regeln aus den Bereichen Baurecht und Anlagensicherheit für die Planung, Bemessung und Konstruktion baulicher Anlagen oder ihrer Teile. Dabei handelt es sich vorrangig um DIN-Normen sowie um bauaufsichtliche Richtlinien. Durch die Einführung einer bestimmten technischen Regel als Technische Baubestimmung verändert diese Regel ihren Rechtscharakter: Sie stellt nicht mehr lediglich eine Empfehlung dar, sondern muss von den Behörden der Bauaufsicht beachtet werden.
Wie funktionieren DIBt-Zulassungen?
Das DIBt erteilt Verwendbarkeitsnachweise für Bauprodukte und Bauarten, wenn diese nicht oder nicht vollständig von harmonisierten europäischen Normen oder nationalen technischen Regeln erfasst sind. Zu den wichtigsten Nachweisen gehören die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ), die allgemeine Bauartgenehmigung (aBG), die Zustimmung im Einzelfall (ZiE) und die Europäische Technische Bewertung (ETA). Diese Nachweise belegen, dass ein Bauprodukt die grundlegenden Anforderungen der Bauordnungen erfüllt.
Die MVV TB ist ab der Ausgabe 2025/1 digital verfügbar. Dieses Angebot ergänzt die bereits veröffentlichten PDF-Dokumente und bietet eine komfortable Möglichkeit, auf die Inhalte zuzugreifen. Die aktuelle Ausgabe MVV TB 2025/1 umfasst 354 Seiten. Welche Fassung der Technischen Baubestimmungen in welchem Bundesland anwendbar ist, lässt sich einer Übersicht des DIBt entnehmen, zuletzt aktualisiert im Juni.
Was ist neu gegenüber den Bauregellisten?
Die Technischen Baubestimmungen haben die früheren Listen der Technischen Baubestimmungen (LTB) und die Bauregellisten abgelöst. Die Bauregellisten wurden amtlich aufgehoben. Die Technischen Baubestimmungen fassen die Inhalte dieser beiden Dokumente in einem einzigen Regelwerk zusammen. Diese Konsolidierung ist für Architekten, Bauingenieure und Produktmanager bei Herstellern relevant, die sich mit EPD-Anforderungen oder zirkulärem Bauen befassen.
Die MVV TB enthält auch Dokumente zu Erdbeben-, Wind- und Schneelastzonen sowie eine Zusammenstellung der technischen Regeln. Diese regionalen Lastannahmen sind für die statische Bemessung von Tragwerken aus Stahlbeton, Baustahl oder Holzbauteilen unverzichtbar. Die Zuordnung der Erdbebenzonen und Untergrundklassen wurde zuletzt im Juni 2022 aktualisiert, die Schneelastzonen im Februar 2023.
Welche Vorschriften gelten wo?
Grundsätzlich gelten für die Verwendung und Anwendung von Bauprodukten die Bestimmungen des Bundeslandes, in dem das Bauprodukt verwendet beziehungsweise die Bauart angewendet werden soll. Die Musterbauordnung und die MVV TB sind nicht direkt anwendbar, bieten aber eine gute Orientierung. In der Praxis bedeutet dies: Ein Planer muss prüfen, welche Landesfassung der Technischen Baubestimmungen am Bauort gilt. Dies betrifft etwa die Auswahl von Mineralwolle mit definierter Brandklasse oder die Bemessung von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS) nach Windlastzone.