Eine Kooperation, die das Potenzial hat, die Dekarbonisierung der Baustoffindustrie voranzutreiben: Der schwedische Stahlhersteller SSAB und Heidelberg Materials haben eine strategische Allianz zur Etablierung einer Kreislaufwirtschaft für klimaneutralen Zement angekündigt. Die Partnerschaft zielt darauf ab, Synergien zwischen Stahl- und Zementproduktion zu nutzen, um die erheblichen CO₂-Emissionen beider Sektoren zu reduzieren. Die Zementindustrie ist weltweit für etwa 8 Prozent der anthropogenen CO₂-Emissionen verantwortlich, wobei ein Großteil bei der Entsäuerung von Klinker im Drehrohrofen entsteht.

Im Fokus der Kooperation steht die Entwicklung einer geschlossenen Materialschleife, bei der industrielle Nebenprodukte und Reststoffe aus der Stahlproduktion als Sekundärrohstoffe in der Zementherstellung eingesetzt werden sollen. SSAB, das mit seiner HYBRIT-Initiative bereits an fossilfreiem Stahl arbeitet, könnte durch die Direktreduktion mit Wasserstoff anfallende Schlacken und Eisenträger liefern, die als Ersatz für Primärrohstoffe wie Eisenerz oder Sand in der Klinkerproduktion dienen. Heidelberg Materials verfügt über umfangreiche Erfahrung im Einsatz alternativer Brennstoffe und Sekundärrohstoffe und betreibt bereits mehrere Pilotprojekte zur CO₂-Abscheidung und -Speicherung (CCS).

Allerdings bleiben wesentliche Fragen zur konkreten Umsetzung offen. Weder wurden spezifische Technologien benannt, noch ein Zeitplan für die Realisierung präsentiert. Unklar ist zudem, in welchem Umfang die Kreislaufwirtschaft etabliert werden soll und welche Produktionsstandorte einbezogen werden. Für Planer und Architekten ist vor allem relevant, welche materialtechnischen Eigenschaften der so hergestellte Beton aufweist und ob eine Konformität mit DIN EN 206 sowie den einschlägigen Eurocodes gewährleistet werden kann. Die Druckfestigkeitsklassen, Rohdichte und Dauerhaftigkeit müssen den üblichen Standards entsprechen, um eine breite Marktakzeptanz zu erreichen.

Die Ankündigung reiht sich ein in eine Serie von Kooperationen im Bereich nachhaltiger Baustoffe. Ähnliche Ansätze verfolgen etwa Etex und Heidelberg Materials beim Faserzement-Recycling, während Wienerberger und AIT beim Dekarbonisieren der Ziegelproduktion bereits Fortschritte vorweisen. Die SSAB-Heidelberg-Allianz könnte ein wichtiger Baustein zur Erreichung der EU-Klimaziele werden, sofern die Zusammenarbeit über die Absichtserklärung hinaus konkrete Ergebnisse liefert. Für die Baustoffbranche bleibt abzuwarten, wann erste Produkte mit Environmental Product Declaration (EPD) und nachweisbarer CO₂-Reduktion auf den Markt kommen.