Ein Auftrag, der die zunehmende Spezialisierung in der Baulogistik verdeutlicht: Der Logistikdienstleister KTV, eine Tochtergesellschaft der Greiwing-Gruppe, übernimmt die gesamte Werklogistik für ISOVER (Saint-Gobain), einen führenden Hersteller von Mineralwolle und anderen Dämmstoffen. Der Deal unterstreicht, dass die Anforderungen an die Supply-Chain in der Dämmstoff-Industrie deutlich über klassische Transportdienstleistungen hinausgehen.

Dämmstoffe auf Basis von Glaswolle oder Steinwolle stellen besondere Anforderungen an die Lagerhaltung: Trotz geringer Rohdichte von typischerweise 15 bis 200 kg/m³ – abhängig vom Anwendungsbereich gemäß DIN 4108-10 – weisen die Produkte ein hohes Volumen-Gewichts-Verhältnis auf. Dies erfordert große Lagerflächen bei vergleichsweise geringem Gewicht pro Lagereinheit. Gleichzeitig müssen die empfindlichen Faserstrukturen vor Feuchtigkeit geschützt werden, da bereits geringe Durchfeuchtung die Wärmeleitfähigkeit (Lambda-Wert) erheblich verschlechtert und die Dämmleistung mindert.

Die wachsende Bedeutung spezialisierter Werklogistik im Dämmstoffsektor spiegelt auch den anhaltenden Konsolidierungsdruck wider. ISOVER, Teil der Saint-Gobain-Gruppe, hat in den vergangenen Jahren seine Produktionskapazitäten optimiert und einzelne Standorte geschlossen, wie die Schließung des Glaswollewerks Bergisch Gladbach zeigt. Parallel dazu steigen die Anforderungen an Just-in-Time-Lieferungen auf Baustellen, wo Dämmstoffe gemäß Eurocode-konformer Planung termingenau eingebaut werden müssen.

Für Planer und ausschreibende Stellen gewinnt die Lieferkettenstabilität zunehmend an Bedeutung: Verzögerungen bei der Dämmstoffanlieferung können ganze Bauphasen verzögern, insbesondere bei Wärmedämmverbundsystemen (WDVS), die witterungsabhängig verarbeitet werden. Die Auslagerung der Werklogistik an Spezialisten wie KTV ermöglicht Herstellern, sich auf Kernkompetenzen wie Produktentwicklung und die Verbesserung von EPD-Daten zu konzentrieren – ein wachsender Wettbewerbsfaktor angesichts verschärfter Anforderungen an die CO₂-Bilanz von Baustoffen.

Der Trend zur Spezialisierung zeigt sich branchenweit: Auch andere Dämmstoffhersteller lagern zunehmend Logistikprozesse aus, um Flächenkosten zu optimieren und gleichzeitig die Lieferfähigkeit in volatilen Märkten zu sichern. Parallel dazu gewinnt die Nachhaltigkeit in der Werklogistik an Relevanz, etwa durch optimierte Routenplanung und den Einsatz emissionsarmer Transportmittel – Faktoren, die künftig auch in die Gesamtbilanz von Bauprodukten einfließen dürften.