Die Saint-Gobain-Tochter ISOVER (Saint-Gobain) positioniert sich mit einer überarbeiteten Mineralwolle-Produktlinie als Anbieter für energieeffiziente und kreislaufwirtschaftsfähige Dämmstoffe. Im Fokus stehen Glaswolleprodukte mit hohen Recyclatanteilen, die den verschärften Anforderungen des GEG — Gebäudeenergiegesetz ab 2025 und den kommenden EU-Taxonomy-Grenzwerten genügen sollen. Die Produktstrategie zielt auf den Neubau im KfW-Effizienzhaus-Segment sowie auf die energetische Sanierung von Bestandsbauten.

Produktlinie: Fokus auf Lambda-Wert und Recycling-Quote

ISOVER bietet Glaswolle-Dämmstoffe mit Lambda-Werten (λ) zwischen 0,032 und 0,040 W/(m·K) an, die je nach Rohdichte und Anwendungsfall variieren. Die Modellreihen Integra, Ultimate und Topdec decken Zwischensparren-, Aufsparren- und Fassadendämmung ab. Die Produktlinien sind nach DIN 4108-10 für den Wärmeschutz und nach DIN EN 13162 für Mineralwolle zertifiziert.

Im Vergleich zu klassischen Glaswollen liegt der Recyclatanteil bei ISOVER-Produkten zwischen 45 % und 84 %, abhängig von Verfügbarkeit regionaler Altglas-Quellen. Die Herstellung erfolgt mit Bindemitteln auf Basis nachwachsender Rohstoffe, was die EPD — Environmental Product Declaration-Werte bei den GWP-Kategorien (Global Warming Potential) verbessert. In der Kategorie A1–A3 (Cradle-to-Gate) liegen typische Werte bei 3,5 bis 6,0 kg CO₂-eq/kg, abhängig von Produktdicke und Rohdichte.

Marktposition gegenüber ROCKWOOL, Knauf und Ursa

Im deutschen Dämmstoffmarkt konkurriert ISOVER mit ROCKWOOL (Steinwolle), Knauf (Glaswolle und EPS) sowie Ursa (ebenfalls Saint-Gobain-Gruppe, aber als eigenständige Marke). ROCKWOOL setzt auf Steinwolle mit höherer Rohdichte und besserer Brandschutzklasse (A1 nicht brennbar), während ISOVER mit geringerer Wärmeleitfähigkeit und niedrigerem Gewicht punktet – relevant für leichte Holzrahmenkonstruktionen und Sanierungen mit begrenzter Tragfähigkeit.

Laut Branchenanalysen hält ISOVER in DACH etwa 18–22 % Marktanteil bei Mineralwolle-Dämmstoffen (Glaswolle-Segment). ROCKWOOL dominiert mit rund 30 % im Steinwollsegment, hat aber einen höheren Produktions-CO₂-Fußabdruck aufgrund der energieintensiven Basaltschmelze. Knauf liegt bei rund 15 % Marktanteil und differenziert sich über integrierte Systeme mit Gipskartonplatten und Putzträgern.

Aktuelle Entwicklungen: EPD-Update und bio-basierte Bindemittel

ISOVER hat 2024 eine überarbeitete EPD-Reihe nach EN 15804+A2 veröffentlicht, die erstmals auch Modul D (Recycling-Potenzial) ausweist. Die Daten zeigen ein Netto-Einsparungspotenzial von bis zu 1,2 kg CO₂-eq/kg bei stofflicher Wiederverwertung, was für zirkuläres Bauen relevant ist. In Pilotprojekten testet ISOVER zudem vollständig bio-basierte Bindemittel auf Stärkebasis, die das Formaldehyd-Emissionsniveau weiter senken sollen.

Im Produktankündigungsbereich steht die Markteinführung einer neuen Aufsparrendämmplatte mit integrierter Dampfbremse für 2025 an. Das System soll den U-Wert von Steildächern auf unter 0,14 W/(m²·K) bringen und damit Passivhaus-Anforderungen erfüllen. Parallel dazu erweitert ISOVER die Verfügbarkeit von Einblasdämmung aus Glaswolle für Hohlraumsanierungen, ein wachsendes Segment im Bestand.

Regulatorischer Ausblick: GEG 2025 und EU-Taxonomy

Die GEG-Novelle 2025 verschärft die Anforderungen an den Primärenergiebedarf von Neubauten um rund 18 %. Das erhöht den Druck auf Dämmstoffe mit niedrigen Lambda-Werten und geringen grauen Emissionen. Zudem müssen ab 2027 alle Bauprodukte, die unter die EU-Taxonomy fallen, Nachhaltigkeitskriterien erfüllen – darunter Recyclingfähigkeit und CO₂-Grenzwerte. ISOVER ist hier mit EPD-zertifizierten Produkten und hohen Recyclatanteilen vergleichsweise gut aufgestellt, muss aber bei der Bindemittel-Chemie weiter nachbessern, um langfristig als vollständig kreislauffähig zu gelten.

Ein Risiko bleibt die Abhängigkeit von Altglas-Verfügbarkeit: Bei steigender Nachfrage nach Recyclatanteilen könnten Engpässe in der Beschaffung die Produktionskosten erhöhen. Architekten und Planer sollten daher bei Ausschreibungen die EPD-Angaben der Module A1–A3 sowie Modul D prüfen und nicht nur auf Recyclatanteil, sondern auch auf Netto-Klimawirkung abstellen.

Weitere Details zu spezifischen Anwendungsfällen finden sich im Beitrag Welche ISOVER-Dämmstoffe eignen sich für welche Anwendung?.