Abbindeverzögerer sind Betonzusatzmittel, die den Übergang der Mischung vom plastischen in den festen Zustand gezielt verlängern. Gemäß DIN EN 934-2 bewirken diese Stoffe eine Verzögerung beim Erstarren des Zementleims und damit eine längere Verarbeitbarkeitszeit. Besonders bei Temperaturen über 60 °C, großen Betonbauteilen ohne Arbeitsfugen oder langen Transportwegen für Transportbeton sind sie unverzichtbar.
Wie wirken Abbindeverzögerer auf die Zementhydratation?
Erstarrungsverzögerer bestehen üblicherweise aus einer Kombination mehrerer anorganischer und organischer Stoffe. Zu den wichtigsten Wirkstoffgruppen zählen:
- Phosphate
- Ligninsulfonate
- Zuckerderivate
- Hydroxycarbonsäuren
Diese Verbindungen greifen frühzeitig stark in die chemisch-mineralogischen Reaktionen während der Zementhydratation ein. Als Wirkmechanismen werden drei Hauptprozesse diskutiert: die Anlagerung der Verzögerer oder dessen Reaktionsprodukten mit im Wasser gelösten Zementbestandteilen an den Oberflächen der reaktiven Klinkerphasen, die Bildung schwer löslicher Salze mit Calciumionen, die bei der Hydratation freigesetzt werden, sowie die Behinderung des Kristallwachstums.
Wann ist der Einsatz von Verzögerern notwendig?
Bei Zementationsarbeiten in Bohrungen mit Temperaturen von 40 bis 60 °C sind Verzögerungszusätze im Allgemeinen nicht notwendig. Heißere Umgebungen können jedoch den Zusatz von Verzögerern erfordern, um ein vorzeitiges Abbinden und Erstarren der Zementschlämme zu verhindern. Die Menge der zuzusetzenden Verzögerer steigt mit der Bohrloch- oder Umgebungstemperatur entsprechend an.
Typische Anwendungsgebiete sind größere Bauteile, die ohne Arbeitsfugen betoniert werden müssen, Betonierarbeiten bei heißem Wetter sowie Transportbeton mit langen Fahrzeiten. Die meisten Verzögerer weisen gleichzeitig eine verflüssigende Wirkung auf und verbessern damit die Verarbeitbarkeit zusätzlich.
Welche Verzögerer-Typen kommen zum Einsatz?
Ligninsulfonate sind die am häufigsten verwendeten chemischen Verbindungen für die Verzögerung. Ein Ligninsulfonat ist ein metallisches Sulfonatsalz, das aus dem Lignin gewonnen wird, das bei der Verarbeitung von Holzabfällen entsteht. Die häufigsten Ligninsulfonate sind Calcium- und Natriumlignosulfonat. Für die Retardierung von Zementschlämmen stehen drei Ligninsulfonatqualitäten zur Verfügung:
- Gefiltert: Das gefilterte Calcium- oder Natriumsalz wird typischerweise bei einer Temperatur von 93 °C BHCT oder weniger und einer Konzentration von 0,6 % BWOC oder weniger verwendet.
- Gereinigt: Bei der gereinigten Qualität wurde der Zuckergehalt reduziert. Das Calcium-/Natriumsalz wird typischerweise bei einem BHCT von 93 °C oder weniger und in einer Konzentration von 0,5 % BWOC oder weniger verwendet.
- Modifiziert: Ligninsulfonate, die mit einer zweiten Komponente vermischt oder zur Reaktion gebracht wurden. Die am häufigsten als Mischungskomponenten verwendeten Verbindungen sind Borsäure und die Hydroxycarbonsäuren bzw. deren Salze. Die modifizierten Ligninsulfonate werden typischerweise bei einem BHCT von 93 °C oder mehr verwendet. Sie sind bei Temperaturen über 120 °C wirksamer als die gereinigte Sorte.
Zu den weiteren Verzögerer-Typen zählen Cellulose-Derivate wie Hydroxyethylcellulose (HEC) und Carboxymethylhydroxyethylcellulose (CMHEC), die in spezialisierten Zementieranwendungen eingesetzt werden.
Welche Auswirkungen haben Verzögerer auf die Betoneigenschaften?
Jede Verzögerung bedeutet eine Senkung der Frühfestigkeit. Die 28-Tage-Festigkeiten oder spätere Festigkeiten werden je nach Verzögerungstyp unterschiedlich beeinflusst. Verarbeitbarkeit, Wasserundurchlässigkeit, Nacherhärtung und Endfestigkeit des Betons können bei sachgemäßer Dosierung positiv beeinflusst werden.
Allerdings sind mögliche Nebenwirkungen zu beachten: „Umschlagen" – eine Umkehrung der Wirkung bei überhöhter Dosierung oder hohen Temperaturen –, stärkere Ausblühungen, Farbunterschiede bei glattem Sichtbeton sowie gegebenenfalls erhöhtes Schwinden. Da die Wirkung stark von der verwendeten Zementart und von der Temperatur abhängt, sind erweiterte Erstprüfungen auch bei verschiedenen Temperaturen erforderlich.
Sind alle Verzögerer für jede Anwendung zulässig?
Nein. Verzögerer mit den Wirkstoffgruppen Saccharose („Rohrzucker") und Hydroxycarbonsäure dürfen in Bereichen, für die die ZTV-ING gilt, nicht eingesetzt werden. Auf die Schalung aufgebracht, können Verzögerer auch das Erhärten eines Betons an der Oberfläche hinauszögern – eine Technik, die beim Feinwaschen von Sichtbetonelementen Anwendung findet.
Die präzise Abstimmung von Verzögerer-Typ, Dosierung und Zementart bleibt entscheidend für wirtschaftliche und dauerhafte Betonkonstruktionen. Hersteller wie BASF Construction Chemicals bieten systemisch aufeinander abgestimmte Bauchemie-Produkte an, die Verzögerer mit Flüssigkeitsverlust-Additiven und anderen Zusatzmitteln kombinieren.
