Definition und Herstellung

Holzfaser-Dämmstoffe sind Dämmaterialien aus Holzfasern, die durch Zerfaserung und Verdichtung von Holzresten entstehen. Rohstoffe sind Sägenebenprodukten wie Sägemehl, Hobelspäne und Waldrestholz. Das zerkleinerte Material wird thermomechanisch oder unter Zusatz von Bindemitteln verdichtet. Häufig kommt Magnesitoxychlorid, Zement oder Stärke als Bindemittel zum Einsatz; in Premium-Varianten erfolgt die Bindung durch das Lignin des Holzes selbst.

Bauphysikalische Eigenschaften

Die Wärmeleitzahl liegt je nach Rohstoffzusammensetzung und Verdichtung zwischen 0,040 und 0,060 W/(m·K). Holzfaser-Dämmstoffe besitzen eine hohe Wärmespeicherkapazität von ca. 2.100 J/(kg·K), die sommerlichen Wärmeschutz verbessert. Sie sind diffusionsoffene Materialien mit einem sd-Wert (Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl) von typischerweise 5 bis 10 m je nach Dicke und Verdichtung. Diese Eigenschaft ermöglicht Feuchteausgleich zwischen innen und außen und reduziert das Risiko von Feuchteschäden.

Die dynamische Steifigkeit liegt bei etwa 10 bis 15 MN/m³, was gute Schalldämmung bietet. Rohdichten werden üblicherweise zwischen 110 und 250 kg/m³ eingestellt.

Brennbarkeit und Brandschutz

Holzfaser-Dämmstoffe sind brennbare Materialien (EUROCLASSE D bis E, teilweise C mit Flammschutzmittel). Für Anwendungen mit höheren Brandschutzanforderungen stehen Produkte mit zusätzlicher Imprägnierung zur Verfügung, die eine Klassifizierung B-s1, d0 erreichen können.

Anwendungsbereiche

Holzfaser-Dämmstoffe eignen sich für Dachschrägen, Steildächer, Decken, Außenwände mit hinterlüfteter Vorhangfassade und in Holzrahmenkonstruktionen. Sie werden als Dämmplatten (starr oder semi-starr), Dämmmatten und Schüttdämmung angeboten. In hygrothermisch beanspruchten Details wie Holzständerkonstruktionen zeigen sie Vorteile gegenüber kapillargesperrten Materialien.

Ökologische Aspekte und Beständigkeit

Die CO₂-Bilanz fällt durch die Verwendung von Holzresten positiv aus. Werte für den Primärenergieinhalt liegen bei etwa 3 bis 5 MJ/kg. Das Material ist diffusionsoffen und feuchteregulierend, erfordert aber bei falscher Verarbeitung (mangelnde Feuchteabfuhr) erhöhte Aufmerksamkeit. Die Beständigkeit liegt bei sachgerechter Lagerung und Verarbeitung über Jahrzehnte.

Verarbeitung und Lagerhaltung

Holzfaser-Dämmstoffe benötigen Schutz vor Nässe auf der Baustelle. Längere Feuchteexposition führt zu Quellung und Verformung. Lagern im Trockenen und Verarbeiten bei Holzfeuchte unter 25 % ist erforderlich. Eine vollständige Austrocknung nach unsachgerechter Durchfeuchtung ist oft nicht gewährleistet.