DIN EN 15804 ist die europäische Produktnorm zur Erstellung von Umweltproduktdeklarationen (EPD) für Bauprodukte und Bauleistungen. Die Norm standardisiert die Methodik zur Berechnung und Deklaration von Umweltwirkungen über den gesamten Lebenszyklus eines Bauprodukts.
Geltungsbereich und Anwendung
DIN EN 15804 gilt für Bauprodukte und Bauleistungen und regelt die Anforderungen an EPD nach ISO 14025. Die Norm ist Grundlage für die meisten in Deutschland ausgestellten Umweltproduktdeklarationen und wird von akkreditierten Programmhaltern wie IBU (Institut Bauen und Umwelt) oder DGNB angewendet. Sie bildet die technische Grundlage für die Nachhaltigkeitsbewertung von Baustoffen und -produkten in Zertifizierungssystemen wie BREEAM, LEED oder Cradle-to-Cradle.
Lebenszyklusphasen und Indikatoren
Die Norm teilt den Produktlebenszyklus in Module auf: A1–A3 (Herstellung), A4–A5 (Transport/Montage), B1–B7 (Nutzung), C1–C4 (Lebensende), D (Gutschriften). Für jede Phase werden standardisierte Umweltwirkungen berechnet, darunter:
- Globales Erwärmungspotenzial (GWP): in kg CO₂-Äquivalente pro Funktionseinheit
- Versäuerungspotenzial (AP): in kg SO₂-Äquivalente
- Eutrophierungspotenzial (EP): in kg Phosphat-Äquivalente
- Primärenergiebedarf (PEI, nicht erneuerbar): in MJ
- Abfallaufkommen: in kg
Anforderungen an EPD-Ersteller
Produzenten müssen Ökobilanzen nach ISO 14040/14044 durchführen lassen und dabei sachlich geprüfte Durchschnittsdaten oder betriebsspezifische Daten verwenden. Die EPD muss mindestens 5 Jahre gültig sein und unterliegt einer unabhängigen Verifizierung durch Dritte. Transparenz ist Voraussetzung: Hersteller müssen Datenschutz und Geschäftsgeheimnis mit Nachvollziehbarkeit vereinbaren, ohne Aussagekraft zu gefährden.
Bedeutung für Planer und Einkäufer
EPD nach DIN EN 15804 ermöglichen vergleichbare Umweltinformationen für Produktentscheidungen. Sie sind wesentlich für die Erfüllung von Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) zur Lebenszyklusanalyse sowie für die Erfüllung von Nachhaltigkeitsstandards und Ausschreibungsvorgaben. Planer nutzen EPD-Kennwerte für die ökobilanzielle Bewertung von Gebäuden; Einkäufer vergleichen damit die Umweltleistung von Produktalternativen.
Aktuelle Entwicklungen
Die Norm wird kontinuierlich überarbeitet. Sie berücksichtigt neue Anforderungen der EU-Produktverordnung und strebt harmonisierte Regeln für ganz Europa an. Ziel ist es, Greenwashing zu verhindern und Herstellern verlässliche Rahmenvorgaben zu bieten.