Ein Konflikt, der symptomatisch für die Rohstoffbeschaffung der Bauindustrie werden könnte: In der sächsischen Gemeinde Zeithain sammeln Anwohner Unterschriften gegen den geplanten Verkauf gemeindeeigener Flächen an den Schweizer Baustoffkonzern Holcim. Der Konzern plant die Erweiterung bestehender Kiesabbau-Aktivitäten – ein Vorhaben, das auf zunehmenden Widerstand der lokalen Bevölkerung stößt. Die Anwohner befürchten massive Eingriffe in Natur und Lebensqualität durch den industriellen Abbau mineralischer Rohstoffe, die als primäre Zuschlagstoffe für Beton gemäß DIN EN 12620 unverzichtbar sind.

Für Holcim und andere Zement- und Betonhersteller verschärft sich damit ein strukturelles Problem: Die Sicherung langfristiger Abbaurechte wird zunehmend durch bürgerinitiativen-getriebene Planungsverfahren verzögert oder blockiert. Kies und Sand als gebrochene oder natürliche Gesteinskörnungen bilden volumetrisch den Hauptbestandteil von Normalbeton – typischerweise 60–75 Vol.-% bei üblichen Rezepturen der Festigkeitsklassen C20/25 bis C30/37. Ohne gesicherte regionale Abbaukapazitäten steigen Transportdistanzen und damit die CO₂-Bilanz pro Kubikmeter Frischbeton, was den Dekarbonisierungsstrategien der Branche konträr entgegensteht.

Der Zeithainer Protest ist kein Einzelfall: Bundesweit nehmen Konflikte um Flächennutzung für Rohstoffgewinnung zu, während gleichzeitig der Bedarf an mineralischen Baustoffen durch Infrastrukturprogramme und Wohnungsbauziele stabil bleibt. Planer und Einkäufer sollten zunehmend mit regionalen Lieferengpässen und Preisvolatilität bei Zuschlagstoffen rechnen. Die Alternative – verstärkter Einsatz von Recyclingbaustoffen gemäß DIN EN 12620, Typ 2 – gewinnt dadurch an strategischer Bedeutung, auch wenn derzeit nur etwa 12–15 % der Gesteinskörnung in Deutschland aus RC-Material stammen.

Der Fall Zeithain zeigt exemplarisch, dass die soziale Akzeptanz von Rohstoffabbau zu einem ebenso kritischen Beschaffungsfaktor wird wie geologische Verfügbarkeit oder Genehmigungsrecht. Für Holcim und Wettbewerber wie Heidelberg Materials bedeutet dies: Lokale Stakeholder-Dialoge und transparente Rekultivierungskonzepte werden vom Nice-to-have zur betrieblichen Notwendigkeit, um Produktionskapazitäten langfristig zu sichern.