Hilti hat sich als Systemanbieter für Befestigungs- und Montagetechnik etabliert, der über klassische Bohrhämmer hinaus ganzheitliche Lösungen für die Verbindung von Bauteilen anbietet. Im Fokus stehen chemische und mechanische Befestigungssysteme, die insbesondere bei der Montage in Stahlbeton, Beton und Mauerwerk zum Einsatz kommen. Für Planer und ausführende Unternehmen sind dabei nicht nur die Tragfähigkeitswerte relevant, sondern auch Zulassungen nach bauaufsichtlichem Recht sowie die Integration in BIM-Workflows.
Chemische Befestigungssysteme: HIT-HY 200 und RE 500
Die Produktlinie der chemischen Dübel umfasst Injektionsmörtel auf Basis von Epoxidharzen und Hybridpolymeren. Das System HIT-HY 200 ist für Hochleistungsanwendungen im Stahlbeton konzipiert und verfügt über eine europäisch technische Bewertung (ETA) für Schwerlastverankerungen. Die Verarbeitungstemperatur liegt zwischen –10 °C und +40 °C, was den Einsatz auch unter Winterbaubedingungen ermöglicht. Das Mörtelvolumen beträgt 330 ml bzw. 500 ml je Kartusche, die Aushärtezeit variiert temperaturabhängig zwischen 6 und 48 Stunden.
Das System RE 500 richtet sich an Standardanwendungen in gerissenem und ungerissenem Beton der Festigkeitsklassen C20/25 bis C50/60. Mit einer Topfzeit von 4 Minuten bei 20 °C erlaubt das Produkt schnelle Taktzeiten auf der Baustelle. Beide Systeme sind Teil der Hilti-PROFIS-Engineering-Suite, die Bemessungsnachweise nach Eurocode 2 digital generiert.
Brandschutzsysteme für Kabel- und Rohrdurchführungen
Hilti bietet geprüfte Brandschutzsysteme für Installationsdurchbrüche in Massivdecken, Gipskartonwänden und Leichtbauwänden an. Die Systeme sind klassifiziert nach EN 13501-2 und erreichen Feuerwiderstandsklassen von EI 30 bis EI 120. Für Kabeldurchführungen kommen elastische Brandschutzmanschetten (CFS-C) und Brandschutzschotten (CFS-S) zum Einsatz, die mit Intumeszenzmaterial arbeiten.
Die Manschetten expandieren im Brandfall und verschließen die Öffnung, nachdem das Kabel durchgebrannt ist. Für Kunststoffrohre sind spezielle Brandschutzschellen verfügbar, die das schmelzende Material komprimieren. Alle Systeme sind mit Prüfzeugnissen der MPA Dresden oder ähnlicher Prüfstellen hinterlegt und in der Hilti-Firestop-Dokumentation digital abrufbar.
Mechanische Schwerlastanker für seismische Anforderungen
Im Segment der mechanischen Befestigung positioniert Hilti den Schwerlastanker HSL-3 für Anwendungen mit hohen dynamischen Lasten oder seismischen Anforderungen gemäß Eurocode 8. Der Anker arbeitet nach dem Hinterschnitt-Prinzip und erreicht Tragfähigkeiten bis zu 180 kN in Beton C20/25. Die Verankerungstiefe beträgt 125 mm bei einem Nenndurchmesser von M16, die zulässige Randabstände liegen bei 150 mm.
Der HSL-3 ist für Verankerungen in gerissenem Beton zugelassen und erfüllt die Anforderungen der Option 1 nach ETAG 001, Annex C. Typische Einsatzbereiche sind Konsolbefestigungen für Fassadenunterkonstruktionen, Aufzugsschienen und schwere Installationen in Industriebauten. Die Montage erfolgt mit einem kontrollierten Drehmomentschlüssel bei 150 Nm.
Digitalisierung: PROFIS Engineering und BIM-Integration
Hilti hat seine Planungstools in der PROFIS-Plattform gebündelt. PROFIS Anchor ermöglicht die statische Bemessung von Befestigungen nach EN 1992-4 (Eurocode 2) und generiert projektspezifische Nachweise inklusive Lastverteilung und Randabständen. Die Software ist kostenlos verfügbar und erlaubt den Export als PDF oder in BIM-Formate (IFC, Revit).
Für Brandschutz steht PROFIS Firestop zur Verfügung, das geprüfte Systemlösungen für definierte Bauteilaufbauten vorschlägt und die erforderlichen Prüfzeugnisse direkt verknüpft. Die Integration in BIM-Prozesse erfolgt über Revit-Plugins, die Hilti-Produkte als parametrisierte Objekte mit technischen Datenblättern und EPD-Informationen bereitstellen. Dies erleichtert die Ausschreibung und die Dokumentation für Nachhaltigkeitszertifizierungen wie DGNB oder LEED.
Marktposition und Wettbewerb
Hilti konkurriert im Befestigungssegment mit Herstellern wie Fischer, Würth und Sika. Während Fischer traditionell stark im Handel vertreten ist, setzt Hilti auf ein Direktvertriebsmodell mit eigenen Technikberatern und Mietflotten. Die Preispositionierung liegt im oberen Segment, wird aber durch umfassende Service- und Schulungsangebote flankiert.
Im Bereich chemischer Befestigungen hat Sika (www.sika.com) mit der AnchorFix-Serie vergleichbare Systeme im Portfolio, die ebenfalls ETA-zertifiziert sind. Hilti differenziert sich durch die Integration in digitale Planungstools und die Verfügbarkeit technischer Beratung vor Ort. Marktanteile sind nicht öffentlich, Branchenquellen gehen jedoch von einer führenden Position in DACH und Nordeuropa aus.
Aktuelle Entwicklungen und Produktankündigungen
Hilti hat 2024 das System HIT-Z für Anwendungen in dünnwandigen Betonfertigteilen eingeführt, das speziell für Verankerungstiefen ab 80 mm ausgelegt ist. Parallel dazu wurde die PROFIS-Plattform um ein Modul für Holzbefestigungen erweitert, das die Bemessung von Holz-Beton-Verbindungen nach Eurocode 5 unterstützt. Dies adressiert den wachsenden Markt des mehrgeschossigen Holzhochbaus und Hybridbauweisen.
Im Bereich Nachhaltigkeit arbeitet Hilti an der Reduktion von Lösemitteln in chemischen Dübelsystemen und hat für ausgewählte Produktlinien EPD-Deklarationen nach EN 15804 veröffentlicht. Eine konkrete CO₂-Roadmap für das Gesamtportfolio wurde bislang nicht publiziert.



