Wenn Sie Beton mit reduzierter Rohdichte verarbeiten, müssen Sie zwischen zwei grundlegend verschiedenen Bauweisen unterscheiden: haufwerksporigem und gefügedichtem Leichtbeton. Die DIN EN 206 grenzt beide Typen klar ab – und nur einer davon fällt überhaupt in den Anwendungsbereich der Norm. Für Sie als Verarbeiter hat diese Unterscheidung direkte Auswirkungen auf Mischung, Verdichtung und Festigkeitseigenschaften.
Was ist haufwerksporiger Leichtbeton?
Haufwerksporiger Leichtbeton besteht aus grober Gesteinskörnung ohne Feinbestandteile. Die Körner liegen punktuell aufeinander, dazwischen bleiben große Hohlräume – ein „Haufwerk" entsteht. Weil die Feinanteile fehlen, entsteht ein offenporiges Gefüge mit hohem Luftporenanteil. Diese Bauweise reduziert das Gewicht drastisch, bietet aber nur begrenzte Druckfestigkeit.
Wichtig für die Praxis: Haufwerksporiger Beton mit haufwerksporigem Gefüge fällt nicht in den Anwendungsbereich der DIN EN 206. Die Norm gilt explizit nur für verdichteten oder selbstverdichtenden Beton ohne nennenswerten Anteil eingeschlossener Luft – genau das Gegenteil der haufwerksporigen Struktur.
Gefügedichter Leichtbeton: Definition nach DIN EN 206
Gefügedichter Leichtbeton ist ein verdichteter Beton, dessen Trockenrohdichte maximal 2000 kg/m³ beträgt. Er enthält Feinbestandteile, die Hohlräume ausfüllen, und wird wie Normalbeton verdichtet. Die DIN EN 206 klassifiziert Beton entsprechend seiner Trockenrohdichte in drei Gruppen:
- Leichtbeton: Rohdichte ≤ 2000 kg/m³
- Normalbeton: Rohdichte zwischen 2000 und 2600 kg/m³
- Schwerbeton: Rohdichte ≥ 2600 kg/m³
Gefügedichter Leichtbeton erreicht durch seine geschlossene Struktur deutlich höhere Druckfestigkeiten als haufwerksporiger Beton. Die Norm definiert Druckfestigkeitsklassen von LC8/9 bis LC80/88, wobei hochfeste Varianten ab LC70/77 eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder Zustimmung im Einzelfall benötigen.
Rohdichteklassen für gefügedichten Leichtbeton
Wenn Sie Leichtbeton nach Rohdichte klassifizieren, gelten sechs Klassen von D1,0 bis D2,0. Die Klasseneinteilung erfolgt in Schritten von 200 kg/m³:
- D1,0: 800 bis 1000 kg/m³
- D1,2: 1000 bis 1200 kg/m³
- D1,4: 1200 bis 1400 kg/m³
- D1,6: 1400 bis 1600 kg/m³
- D1,8: 1600 bis 1800 kg/m³
- D2,0: 1800 bis 2000 kg/m³
Diese Abstufung hilft Ihnen, das richtige Material für statische Anforderungen und Wärmedämmung auszuwählen. Je niedriger die Rohdichte, desto besser die Dämmwirkung – aber desto geringer meist auch die Druckfestigkeit.
Druckfestigkeitsklassen und Anwendungsgrenzen
Gefügedichter Leichtbeton wird in Druckfestigkeitsklassen nach charakteristischer Zylinder- und Würfeldruckfestigkeit eingeteilt. Die Kennzeichnung folgt dem Muster LC20/22: Die erste Zahl bezeichnet die Zylinderdruckfestigkeit (Ø 150 mm, Höhe 300 mm), die zweite die Würfeldruckfestigkeit (Kantenlänge 150 mm), beide gemessen nach 28 Tagen Lagerung unter Wasser.
Für tragende Bauteile kommen je nach statischer Beanspruchung Klassen von LC12/13 bis LC50/55 zum Einsatz. Hochfester Leichtbeton ab LC55/60 gehört zur Überwachungsklasse II und erfordert zusätzliche Nachweise.
Praktische Abgrenzung: Was gilt wann?
Wenn Sie auf der Baustelle vor der Wahl stehen, orientieren Sie sich an folgenden Kriterien:
- Haufwerksporiger Beton: Einsatz für nichttragende Anwendungen wie Ausgleichsschüttungen, Hohlraumverfüllungen oder Wärmedämmschichten. Nicht nach DIN EN 206 geregelt.
- Gefügedichter Leichtbeton: Einsatz für tragende Bauteile, Betonfertigteile oder Ortbetonbauwerke. Unterliegt vollständig der DIN EN 206 mit allen Anforderungen an Expositionsklassen, Chloridgehalt und Mehlkornanteil.
Expositionsklassen und Feuchtigkeitsklassen beachten
Gefügedichter Leichtbeton muss wie Normalbeton den Expositionsklassen entsprechen. Die Norm definiert Feuchtigkeitsklassen WO (trocken), WF (häufig feucht), WA (zusätzlich Alkalieintrag) und WS (hohe dynamische Beanspruchung). Daraus ergeben sich Anforderungen an Gesteinskörnung, Zement und Betonzusammensetzung – etwa an den Mehlkorngehalt oder den Luftgehalt bei Frost-Tausalz-Angriff.
Für weitere Details zur normenkonformen Betonherstellung und verwandten Anforderungen lesen Sie unseren Artikel zu Schwindmaß und Erhärtung.
Praxis-Take-away
Haufwerksporiger Leichtbeton ohne Feinbestandteile ist kein Beton nach DIN EN 206 und bleibt nichttragenden Anwendungen vorbehalten. Gefügedichter Leichtbeton mit Rohdichte bis 2000 kg/m³ erfüllt dieselben Normanforderungen wie Normalbeton – inklusive Druckfestigkeitsklassen, Expositionsklassen und Verdichtung. Wenn Sie tragende Bauteile mit reduziertem Gewicht planen, ist gefügedichter Leichtbeton die normkonforme Wahl.