Der deutsche Markt für Glas & Fassade zeigt sich in den vergangenen Wochen von zwei Seiten geprägt: Einerseits treibt die Verschärfung energetischer Standards bei Neubauten und Sanierungen die Nachfrage nach hochdämmenden Fassadenlösungen. Andererseits rückt die Kreislaufwirtschaft stärker in den Fokus – sowohl bei Herstellern als auch bei ausschreibenden Planungsbüros. Für Sie als Verarbeiter bedeutet das: höhere Anforderungen an Verglasungen, aber auch neue Chancen bei der Demontage und Wiederverwendung von Fassadenelementen.

Energieeffizienz bleibt das Top-Thema für Planer und Verarbeiter

Die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) an den U-Wert von Fassaden sorgen weiterhin für Bewegung im Markt. Planer setzen verstärkt auf Dreifach-Isolierglas mit Edelgasfüllung, um die geforderten Werte zu erreichen. Parallel dazu gewinnt der g-Wert – also der solare Energiedurchlass – an Bedeutung, insbesondere bei großflächigen Bürofassaden. Hier müssen Sie als Verarbeiter den Spagat schaffen: maximale Tageslichtnutzung bei gleichzeitig niedrigem Wärmeverlust im Winter und begrenztem Kühlbedarf im Sommer.

In der Praxis heißt das: Bei der Montage von hochdämmenden Flachglas-Elementen ist die wärmebrückenfreie Anbindung entscheidend. Achten Sie darauf, dass Anschlussfugen sorgfältig abgedichtet werden – selbst kleine Leckagen können die Dämmwirkung deutlich reduzieren. Verwenden Sie spezielle Dichtbänder und prüfen Sie die Montagetemperatur: Unter 5 °C verlieren viele Klebstoffe ihre Haftfähigkeit.

Kreislaufwirtschaft: Demontage und Wiederverwendung rücken in den Vordergrund

Ein zweiter Trend, der den Markt verändert, ist die Forderung nach demontierbaren Fassaden. Immer mehr Ausschreibungen verlangen reversible Verbindungen, die es ermöglichen, Glaselemente und Rahmenprofile am Ende der Nutzungsdauer sortenrein zu trennen. Hintergrund ist die EU-Taxonomie und das Prinzip des Urban Mining: Gebäude sollen als Rohstofflager für die Zukunft dienen.

Für Sie als Verarbeiter bedeutet das: Mechanische Verbindungen – etwa durch Klemmprofile oder verschraubte Halterungen – werden wichtiger, während verklebte Systeme an Attraktivität verlieren. Dokumentieren Sie bei jeder Montage die verwendeten Materialien und Verbindungstechniken. Diese Informationen werden zunehmend in digitalen Gebäudepässen hinterlegt und sind bei späteren Sanierungen oder beim Rückbau Gold wert.

Praxis-Tipp: Demontierbare Systeme sicher montieren

  • Verschraubungen statt Verklebungen: Setzen Sie auf mechanische Halterungen, die sich ohne Zerstörung der Bauteile lösen lassen.
  • Material-Kennzeichnung: Markieren Sie Glas- und Rahmenprofile mit Material-Codes – das erleichtert das spätere Recycling.
  • Dokumentation: Fotografieren Sie die Montageschritte und notieren Sie Materialstärken, Dichtungssysteme und Befestigungspunkte.
  • Wartungsfreundlichkeit: Achten Sie darauf, dass Anschlüsse und Dichtungen auch nach Jahren noch zugänglich sind.

Neue Anbieter und Produkt-Innovationen: Was Sie kennen sollten

Der deutsche Markt für Glas- und Fassadenlösungen ist in Bewegung. Mehrere Hersteller haben in den vergangenen Wochen neue Systeme vorgestellt, die auf reduzierte CO₂-Fußabdrücke setzen. Dabei geht es vor allem um dünnere Glasscheiben mit gleicher Dämmleistung – erreicht durch innovative Beschichtungen und optimierte Scheibenzwischenräume.

Auch bei Fassadensystemen gibt es Neuerungen: Modulare Systeme, die sich schneller montieren lassen und gleichzeitig höhere Dämmwerte bieten, sind auf dem Vormarsch. Saint-Gobain, einer der führenden Anbieter im Bereich Verbund-Sicherheitsglas (VSG) und Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG), treibt beispielsweise die Entwicklung kreislauffähiger Verglasungen voran.

Ein Blick auf die jüngsten Entwicklungen in Österreich zeigt, wohin die Reise geht: Dort werden bereits verstärkt Systeme eingesetzt, die Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft verbinden. Diese Trends dürften auch den deutschen Markt prägen.

Regulatorik und Normen: Was sich ändert

Auf europäischer Ebene sind mehrere Normenänderungen in der Pipeline, die auch für Deutschland relevant werden. Die überarbeiteten Vorgaben zur Environmental Product Declaration (EPD) verlangen künftig detailliertere Angaben zur Recyclingfähigkeit von Fassadenmaterialien. Für Sie als Verarbeiter heißt das: Setzen Sie sich frühzeitig mit den EPD-Dokumenten der von Ihnen eingesetzten Produkte auseinander. Diese Informationen werden bei öffentlichen Ausschreibungen zunehmend zum Pflichtkriterium.

Auch die DGNB-Zertifizierung gewinnt an Bedeutung: Immer mehr Bauherren fordern nachhaltige Gebäudezertifikate, bei denen die Fassade eine zentrale Rolle spielt. Wer hier nicht mithalten kann, verliert Marktanteile.

Ausblick: Wie sich der Markt weiterentwickeln wird

Die kommenden Monate dürften weitere Impulse bringen. Die Diskussion um die energetische Sanierung des Gebäudebestands nimmt an Fahrt auf – und damit auch die Nachfrage nach nachrüstbaren Fassadenlösungen. Gleichzeitig werden Material-Lieferketten stabiler, was die Preise für hochwertige Verglasungen unter Druck setzen könnte.

Für Sie als Verarbeiter ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich mit den neuen Anforderungen vertraut zu machen. Investieren Sie in Schulungen zu demontierbaren Systemen und kreislaufgerechten Montagedetails. Und prüfen Sie, welche Hersteller zuverlässige EPD-Daten liefern – das verschafft Ihnen einen Vorsprung bei Ausschreibungen, die Nachhaltigkeitskriterien einfordern.

Praxis-Take-away: Der deutsche Glas- und Fassadenmarkt verändert sich rasant. Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft sind keine Zukunftsthemen mehr, sondern bereits heute handlungsleitend. Setzen Sie auf mechanische Verbindungen, dokumentieren Sie Ihre Montagen sorgfältig und bleiben Sie bei Normen und EPD-Anforderungen am Ball. So sichern Sie sich Ihre Wettbewerbsfähigkeit in einem Markt, der zunehmend auf Nachhaltigkeit setzt.