Der DonauTower hat die DGNB-Zertifizierung in Gold erhalten. Die Auszeichnung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen signalisiert, dass nachhaltige Baustandards zunehmend vom Sonderfall zum erwarteten Standard werden. Für Planer, Architekten und Baustoffhändler stellt sich damit die Frage: Welche konkreten Anforderungen müssen erfüllt werden und wie wirkt sich das auf die Materialwahl und Ausführung aus?

Bewertung nach sechs Themenfeldern

Die DGNB-Zertifizierung bewertet Gebäude ganzheitlich. Neben der ökologischen Qualität – etwa durch den Einsatz von Recyclingbaustoffen oder Materialien mit niedriger Umweltbelastung – fließen ökonomische, soziokulturelle, technische, prozessuale und standortbezogene Aspekte in die Bewertung ein. Gold erhält ein Projekt ab einem Erfüllungsgrad von 65 Prozent über alle Kriterien hinweg.

Für den DonauTower bedeutet das unter anderem: transparente EPD-Dokumentation der verbauten Baustoffe, Nachweis energieeffizienter Gebäudetechnik mit niedrigen U-Werten der Außenbauteile sowie ein durchdachtes Konzept zur Reduktion des Flächenverbrauchs und zur Förderung der Biodiversität am Standort.

Auswirkungen auf Materialwahl und Verarbeitung

Die Zertifizierung beeinflusst die Baustoffauswahl direkt. Produkte ohne EPD oder mit hohem CO₂-Fußabdruck erschweren das Erreichen der erforderlichen Punktzahl. Hersteller wie Heidelberg Materials, Holcim oder STEICO bieten mittlerweile Produktlinien mit reduzierten Emissionswerten und vollständiger Umweltdokumentation an. Auch Dämmstoffe mit niedrigem Lambda-Wert und hoher Recyclingquote gewinnen an Bedeutung.

Für Verarbeiter auf der Baustelle ändert sich zunächst wenig – die Produkte bleiben handwerklich etabliert. Entscheidend ist jedoch die lückenlose Dokumentation: Lieferscheine, Produktdatenblätter und EPDs müssen vorliegen und archiviert werden, um die Zertifizierung zu sichern. Das erfordert präzisere Abläufe in der Logistik und auf der Baustelle.

Signalwirkung für künftige Projekte

Die Auszeichnung des DonauTower reiht sich ein in eine wachsende Zahl DGNB-zertifizierter Bauprojekte. Erst kürzlich hat die Berlin Hyp mit einer Dreifach-Zertifizierung neue Maßstäbe gesetzt. Auch bei öffentlichen Ausschreibungen wird die Nachhaltigkeitszertifizierung zunehmend zur Anforderung. Das bedeutet: Wer sich als Planer, Hersteller oder Verarbeiter frühzeitig mit den DGNB-Kriterien auseinandersetzt, verschafft sich Wettbewerbsvorteile.

Praxis-Take-away

Die DGNB-Gold-Zertifizierung des DonauTower zeigt: Nachhaltiges Bauen ist technisch und wirtschaftlich machbar – und wird zur Norm. Architekten und Planer sollten frühzeitig EPD-basierte Baustoffe einplanen, Baustoffhändler ihr Sortiment entsprechend erweitern und Verarbeiter auf saubere Dokumentation achten. Die Zertifizierung ist kein Marketing-Label, sondern ein messbarer Standard mit direktem Einfluss auf Materialwahl, Bauablauf und Projektkosten.