Die DIN EN 998 ist die zentrale europäische Norm für Mörtel im Mauerwerksbau und gliedert sich in zwei Teile: DIN EN 998-1 legt Festlegungen für Putzmörtel fest, DIN EN 998-2 regelt Mauermörtel. Beide Teile wurden im Februar 2017 in der deutschen Fassung veröffentlicht und basieren auf der europäischen Norm EN 998-1:2016 beziehungsweise EN 998-2:2016. Für Sie als Verarbeiter auf der Baustelle bedeutet das: Jeder Sack Werkmauermörtel oder jede Charge Putzmörtel muss diese harmonisierten Anforderungen erfüllen – unabhängig davon, ob Sie in Deutschland, Österreich oder der Schweiz arbeiten.
Welche Anforderungen regelt DIN EN 998-2 für Mauermörtel?
Die DIN EN 998-2 legt die Anforderungen an Mauermörtel fest und umfasst Werkmauermörtel sowie Baustellenmauermörtel. In Deutschland ergänzen zwei nationale Anwendungsnormen die europäische Vorgabe: DIN 20000-412 regelt die Anforderungen an Werkmauermörtel – dazu gehören Normalmauermörtel, Leichtmauermörtel und Dünnbettmörtel nach DIN EN 998-2. DIN 18580 legt hingegen Anforderungen an Baustellenmauermörtel fest, der ebenfalls als Normalmauermörtel nach DIN EN 998-2 hergestellt werden darf.
Für Sie bedeutet das konkret: Werkmauermörtel kommt fertig gemischt oder als Trockenmörtel auf die Baustelle, während Sie Baustellenmauermörtel vor Ort aus Zement, Sand und gegebenenfalls Kalkhydrat anmischen. Die Norm stellt sicher, dass beide Varianten vergleichbare technische Eigenschaften aufweisen – Druckfestigkeit, Haftung und Verarbeitbarkeit müssen definierten Klassen entsprechen.
Wie klassifiziert die Norm Mauermörtel?
Die DIN EN 998-2 teilt Mauermörtel in verschiedene Festigkeitsklassen ein, die Sie anhand der Kennzeichnung auf dem Gebinde oder im technischen Datenblatt ablesen. Die Klassifizierung erfolgt nach Druckfestigkeit und ermöglicht Ihnen, den passenden Mörtel für das jeweilige Mauerwerk auszuwählen – ob Kalksandstein, Ziegel oder Porenbeton. Die Konformitätsbewertung stellt sicher, dass jeder Hersteller die deklarierten Eigenschaften durch Prüfungen nachweist.
Achten Sie bei der Verarbeitung darauf, dass die Mörtelgruppe zur statischen Beanspruchung des Bauwerks passt. Die bisherige Bemessungsnorm DIN 1053-1 wurde zwar zurückgezogen, ist aber als bauaufsichtlich eingeführte Norm in DIN 4149 für Erdbebengebiete sowie für genehmigte Bauvorhaben weiterhin anwendbar. Sie wurde durch die europäische Normenreihe DIN EN 1996 (Teil 1 bis 3) mit nationalen Anhängen ersetzt.
Was gilt für modifizierte mineralische Mörtel?
Neben klassischen Mauermörteln gibt es modifizierte mineralische Mörtel, die zusätzlich organische Polymere enthalten und vielfältige Aufgaben erfüllen. Diese kunststoffmodifizierten Mörtel setzen Sie beispielsweise zur Verklebung keramischer Fliesen und Platten sowie von Natursteinen an Wänden, Böden und Decken ein – innen wie außen. Auch als Reparaturmörtel zum Schutz und zur Instandsetzung von Betonbauteilen kommen sie zum Einsatz, insbesondere bei der Wiederherstellung statisch relevanter Strukturen oder als Korrosionsschutz der Bewehrung.
Modifizierte mineralische Mörtel bestehen zu bis zu 98 Prozent aus Zement und mineralischen Zuschlägen. Weitere Anwendungen umfassen Vergussmörtel für Fundamente, Zementestriche und Bodenausgleichsmassen, Produkte für Bauwerksabdichtungen sowie Ausgleichsmassen für Wand und Decke. Für diese Produktgruppen gelten eigene Anforderungen nach EN 1504-3 für Instandsetzungsmörtel (PCC- und SPCC-Mörtel) oder nach weiteren spezifischen Normen.
Praxis-Tipp: Worauf Sie bei der Verarbeitung achten sollten
Prüfen Sie vor der Verarbeitung immer die CE-Kennzeichnung und die deklarierten Eigenschaften im technischen Datenblatt. Achten Sie auf die Umgebungstemperatur: Die meisten Mauermörtel sollten Sie bei Temperaturen zwischen +5 °C und +30 °C verarbeiten. Zu niedrige Temperaturen verzögern das Abbinden, zu hohe Temperaturen verkürzen die offene Zeit und können zu Schwindrissen führen. Halten Sie das vom Hersteller vorgegebene Mischverhältnis exakt ein – zu viel Wasser mindert die Festigkeit, zu wenig beeinträchtigt die Verarbeitbarkeit.
Bei Dünnbettmörteln für Porenbeton oder Kalksandstein erreichen Sie die geforderten Fugenstärken nur mit gleichmäßigem Auftrag und sauberem Untergrund. Entfernen Sie Staub und lose Partikel vor dem Vermauern. Die Norm sichert Ihnen zwar die Produktqualität, aber die fachgerechte Verarbeitung liegt in Ihrer Hand – und entscheidet über die Dauerhaftigkeit des Mauerwerks.


