Ein deutliches Signal an die Baustoffindustrie: Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat die Sustainability Challenge 2026 ausgerufen und fordert innovative Lösungen für klimaneutrales Bauen – von biobasierten Klebstoffen bis zur klimaneutralen Stadtquartiersentwicklung. Der Wettbewerb macht sichtbar, unter welchem Innovationsdruck die Baubranche steht, klimaneutrale Materialien und Systeme zu entwickeln, die zugleich normkonform und wirtschaftlich darstellbar sind.
Die thematische Bandbreite der Challenge zeigt, wo der größte Handlungsbedarf aus Sicht der DGNB liegt: Bei Klebstoffen und Bauchemie geht es um den Ersatz fossilbasierter Bindemittel, die in nahezu allen Bauanwendungen – von Wärmedämmverbundsystemen bis zu Bodenbelägen – zum Einsatz kommen. Biobasierte Alternativen müssen dabei nicht nur hinsichtlich der CO₂-Bilanz überzeugen, sondern auch die baurechtlichen Anforderungen an Brandverhalten, Emissionsklassen nach AgBB-Schema und Dauerhaftigkeit erfüllen. Für Planer bedeutet dies: Produkte mit Environmental Product Declarations (EPD) werden zum Standard, die Verfügbarkeit von abZ oder ETA-Zulassungen entscheidet über die Marktfähigkeit.
Auf Quartiersebene steht die Integration von Recyclingbaustoffen im Fokus. Die DGNB betont die Notwendigkeit geschlossener Materialkreisläufe – ein Thema, das bereits Hersteller wie Austrotherm mit ihrer EPS-Recyclinganlage oder Etex in Kooperation mit Heidelberg Materials beim Faserzement-Recycling adressieren. Entscheidend wird die Skalierbarkeit solcher Prozesse: Können RC-Baustoffe in gleichbleibender Qualität und zu wettbewerbsfähigen Preisen bereitgestellt werden, ohne dass Druckfestigkeitsklassen oder λ-Werte leiden?
Der Wettbewerb reflektiert auch den regulatorischen Druck durch die EU-Taxonomie und nationale Klimaziele. Für die Baustoffindustrie bedeutet dies konkret: Produkte ohne valide EPD-Daten verlieren Marktanteile. Hersteller wie ROCKWOOL, die bereits in erweiterte Produktionskapazitäten für Mineralwolle investieren, positionieren sich strategisch für verschärfte Energieeffizienzanforderungen. Die Challenge der DGNB dürfte den Innovationswettlauf weiter beschleunigen – insbesondere bei Zement-Alternativen, biobasierten Dämmstoffen und kreislauffähigen Verbundsystemen.
Für Produktmanager und Planer ist die Botschaft eindeutig: Materialinnovationen müssen künftig neben technischer Performance und Normkonformität auch transparente Nachhaltigkeitsdaten liefern. Die DGNB Sustainability Challenge 2026 zeigt, welche Themenfelder die Branche in den nächsten Jahren dominieren werden.

