Der Lackhersteller Brillux hat auf seiner Website einen Fachbetriebsfinder live geschaltet. Das digitale Tool vermittelt Endkunden direkt an zertifizierte Malerbetriebe in ihrer Region. Der Schritt signalisiert eine strategische Neuausrichtung: Brillux überlässt die Kundenschnittstelle nicht mehr allein dem Fachhandel, sondern positioniert sich selbst als Vermittler zwischen Endverbraucher und Handwerksbetrieb.

Die Plattform funktioniert nach einem klassischen Matching-Prinzip: Hausbesitzer oder Bauherren geben ihre Postleitzahl und Art des Auftrags ein – etwa Fassadensanierung, Innenraumanstrich oder WDVS-Beschichtung. Der Finder liefert anschließend eine Liste von Malerbetrieben, die mit Brillux kooperieren und bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Das können Zertifizierungen im Bereich Fassadenputz, spezielle Schulungen für Bauchemie oder Erfahrung mit WDVS-Systemen sein.

Für Fachbetriebe bedeutet diese Entwicklung zweierlei: Zum einen erhalten sie ohne eigene Marketing-Investitionen qualifizierte Anfragen. Brillux übernimmt faktisch einen Teil der Akquise. Zum anderen erhöht sich die Erwartungshaltung an Betriebe, digital auffindbar und zertifiziert zu sein. Wer nicht im Finder gelistet ist, bleibt außen vor – selbst wenn er seit Jahren mit Brillux-Produkten arbeitet.

Der Fachbetriebsfinder reiht sich ein in eine Reihe von Digitalisierungsmaßnahmen, die Hersteller in den vergangenen Jahren vorangetrieben haben. Auch andere Anbieter im Bereich Fassade, Dämmung und Beschichtung setzen zunehmend auf direkte Endkunden-Kommunikation. Sto SE beispielsweise bietet ähnliche Tools für die Vermittlung von Stuckateuren und Malern an. Das Ziel: die Marke stärker emotional aufladen und gleichzeitig die Planungssicherheit für Fachpartner erhöhen.

Kritiker sehen in solchen Plattformen eine potenzielle Kannibalisierung des klassischen Baustoffhandels. Denn wenn der Hersteller direkten Zugang zum Endkunden hat, verliert der Händler seine Rolle als Filter und Berater. Befürworter hingegen argumentieren, dass die Handwerksbetriebe letztlich profitieren: Sie erhalten Leads, die bereits vorqualifiziert sind und gezielt nach einer Lösung suchen.

Ob das Modell langfristig funktioniert, hängt davon ab, wie Brillux die Balance zwischen Herstellerinteresse, Handwerkerbindung und Endkundennutzen austariert. Fest steht: Die Kundenschnittstelle wird zunehmend digital – und Hersteller gestalten sie aktiv mit. Fachbetriebe, die auf Sichtbarkeit setzen, sollten prüfen, ob eine Listung in solchen Findern strategisch sinnvoll ist. Mehr zu digitalen Vertriebsmodellen im Baustoffsektor lesen Sie in unserem Artikel Mapei baut Vertrieb für keramische Verlegewerkstoffe aus.

Praxis-Take-away: Wenn Sie als Malerbetrieb oder Fassadenspezialist mit Brillux arbeiten, lohnt sich die Registrierung im Fachbetriebsfinder. Achten Sie darauf, dass Ihre Zertifizierungen und Referenzen aktuell hinterlegt sind – die Plattform funktioniert nur, wenn Ihre Expertise für den Endkunden sichtbar wird.