Fenster tauschen — was bestellen? — Welche Maschine, welche Anbieter?
- Empfohlene Klasse
- Kunststoff/Holz/Alu
- Typische Dauer
- 1-2 Tage/Fenster
- Kostenschätzung
- 400-1.500 €/Fenster
Überblick
Der Fenstertausch gehört zu den häufigsten Sanierungsarbeiten im Bestand. Ob energetische Modernisierung, Schallschutz oder Sicherheitsverbesserung – neue Fenster bringen spürbare Vorteile. Für ausführende Handwerksbetriebe stellt sich dabei die Frage nach Material (Kunststoff, Holz-Alu oder reines Aluminium), Ausführungsqualität und dem richtigen Werkzeug. Je nach Gebäudetyp, Wandaufbau und Anforderung kommen Fenster mit unterschiedlichen Rahmenprofilen, Verglasung (Zweifach- oder Dreifachverglasung) und Befestigungssystemen zum Einsatz. Die Wahl der Geräteklasse hängt vom Umfang ab: Bei einzelnen Fenstern im Einfamilienhaus reichen Handwerkzeuge und einfache Hebevorrichtungen, bei größeren Objekten mit Dutzenden Fenstern lohnen sich Saugheber, Montagewagen und teilweise sogar Hebebühnen oder Kräne.
Typischerweise rechnet man mit 1-2 Tagen Montagezeit pro Fenster, abhängig von Größe, Zugänglichkeit und Aufwand beim Ausbau der Altfenster. Die Kosten bewegen sich zwischen 400 € für ein einfaches Kunststofffenster in Standardgröße und 1.500 € oder mehr für hochwertige Holz-Alu-Fenster mit besonderen Ausstattungsmerkmalen. Nicht zu unterschätzen sind Nebenkosten wie Anfahrt, Entsorgung der Altfenster, Fensterbankarbeiten und die fachgerechte Abdichtung nach aktuellem Stand der Technik. Diese Seite gibt einen praxisnahen Überblick über Planung, Material, Ablauf und Kostenstruktur beim professionellen Fenstertausch.
Schritt für Schritt
1. Bestandsaufnahme und Aufmaß
Vor der Bestellung müssen alle Fensteröffnungen exakt aufgemessen werden. Dabei ist nicht das alte Fenster maßgeblich, sondern die lichte Maueröffnung nach Ausbau des Altfensters. Zusätzlich werden Wandaufbau (einschalig/mehrschalig), Anschlagverhältnisse (innen/außen/mittig) und bauphysikalische Anforderungen dokumentiert. Auch die Zugänglichkeit (Stockwerk, Gerüst vorhanden, Kranstellfläche) muss geklärt werden. Fotos und Skizzen helfen bei der späteren Planung der Montage.
2. Material und Ausführung festlegen
Gemeinsam mit dem Bauherrn oder Planer wird die Rahmenmaterialwahl getroffen. Kunststofffenster sind am günstigsten und pflegeleicht, Holz-Alu-Fenster bieten beste Dämmwerte und hochwertige Optik, Alufenster sind besonders langlebig und wartungsarm. Die Verglasung (Ug-Wert), der Rahmen-Uf-Wert und der Gesamtfenster-Uw-Wert müssen den energetischen Anforderungen entsprechen. Zudem sind Farbe, Öffnungsart (Dreh-Kipp, Festverglasung, Schiebe), Beschläge, Griffe und ggf. Zusatzausstattung (Rollläden, Raffstores, Insektenschutz) festzulegen.
3. Bestellung und Lieferkoordination
Nach Auftragserteilung beträgt die Lieferzeit je nach Hersteller und Auslastung 4-8 Wochen. Die Fenster werden meist per Spedition auf Palette geliefert. Bei größeren Objekten sollte ein Entladeplatz mit Stapler oder Kran eingeplant werden. Vor Montage müssen die Fenster auf Transportschäden und Maßgenauigkeit geprüft werden. Gleichzeitig sind Fensterbänke (innen/außen), Dichtbänder, Montageschaum, Befestigungsmaterial und ggf. Laibungsprofile zu beschaffen.
4. Ausbau der Altfenster
Die alten Fenster werden ausgebaut, meist durch Aufsägen von Rahmen und Flügeln, um Beschädigungen an der Bausubstanz zu vermeiden. Rollladenkästen, alte Fensterbänke und Dichtungen werden entfernt. Die Laibung wird gereinigt, lose Teile abgeschlagen und auf Ebenheit geprüft. Fehlstellen im Mauerwerk werden ausgeglichen. Vor der Montage muss die Öffnung trocken und frostfrei sein. Altfenster und Bauschutt werden getrennt entsorgt (Holz, Kunststoff, Glas).
5. Montage der neuen Fenster
Das neue Fenster wird ausgerichtet (waagerecht, lotrecht, in der Ebene) und fixiert. Die Befestigung erfolgt je nach Wandaufbau mit Rahmendübeln, Laschen oder Ankerschienen. Anschlüsse zur Wand werden dreischichtig abgedichtet: innen luftdicht, mittig wärmedämmend (Montageschaum), außen schlagregendicht (Dichtband oder Folie). Nach dem Aushärten werden Flügel eingehängt, Beschläge justiert und die Funktion geprüft. Abschließend werden Fenster- und Rollladenbänke montiert und die Laibung verputzt oder verkleidet.
6. Abnahme und Einweisung
Nach Fertigstellung erfolgt eine Dichtigkeitsprüfung (z. B. mit Blower-Door bei größeren Objekten) sowie die Funktionskontrolle aller Beschläge. Dem Auftraggeber werden Wartungshinweise, Pflegeanleitungen und die Dokumentation (Leistungserklärung, CE-Kennzeichnung, U-Werte) übergeben. Bei Förderprojekten (z. B. Sanierungsförderung) müssen entsprechende Nachweise (z. B. U-Werte, Einbaufotos) für die KfW oder Landesförderung bereitgestellt werden.
Kostenaufstellung
| Kunststofffenster Standard (1,3 x 1,4 m) | 400-700 € | inkl. Zweifachverglasung, Dreh-Kipp, weiß |
|---|---|---|
| Holz-Alu-Fenster (1,3 x 1,4 m) | 900-1.500 € | Dreifachverglasung, höhere Dämmwerte, Farbauswahl |
| Montagematerial (Schaum, Dichtband, Dübel) | 30-60 €/Fenster | je nach Wandaufbau und Abdichtungsebene |
| Ausbau Altfenster inkl. Entsorgung | 80-150 €/Fenster | Arbeitszeit, Container oder Mulde anteilig |
| Fensterbänke innen (Kunststein/MDF) | 40-100 €/Stück | inkl. Material und Montage |
| Fensterbänke außen (Aluminium/Naturstein) | 60-180 €/Stück | wetterbeständig, mit Gefälle und Endkappen |
| Gerüst oder Hebebühne (bei Bedarf) | 200-800 €/Objekt | bei Arbeiten ab 1. OG, anteilig auf Fensteranzahl |
Häufige Fehler
- Fehlerhaftes Aufmaß – neues Fenster passt nicht in Öffnung, Nacharbeit oder Neubestellung mit Mehrkosten 400-800 € und Terminverzug
- Unzureichende Abdichtung zur Wand – Wärmebrücken, Schimmel oder Zugluft, spätere Nachbesserung kostet 150-300 € pro Fenster
- Keine Überprüfung der statischen Anforderungen bei großflächigen Verglasungen – Sturz oder Brüstung nicht ausreichend, Baugefährdung und Haftungsrisiko
- Entsorgung von Altfenstern nicht eingeplant – Nachträgliche Containerbestellung und Entsorgungskosten 200-400 € zusätzlich
- Fördervorgaben nicht beachtet – KfW oder Landesförderung wird nicht ausgezahlt, Verlust von 10-20 % der Investitionssumme
- Mangelnde Einweisung des Nutzers – Fenster werden nicht richtig gewartet, Beschläge verschleißen vorzeitig, Gewährleistungsansprüche ungeklärt
Häufige Fragen
- Welches Fenstermaterial ist für welchen Anwendungsfall am besten geeignet?
- Kunststofffenster sind kostengünstig, pflegeleicht und für Standardanwendungen im Wohnungsbau ideal. Holz-Alu-Fenster bieten beste Dämmwerte und sind bei gehobenen Ansprüchen oder denkmalgeschützten Objekten die erste Wahl. Reine Aluminiumfenster kommen vor allem bei großen Verglasungen, öffentlichen Gebäuden oder im gewerblichen Bau zum Einsatz, da sie hohe Lasten tragen und sehr langlebig sind. Für den Privatbau empfehlen sich meist Kunststoff oder Holz-Alu je nach Budget und ästhetischen Anforderungen.
- Braucht man für den Fenstertausch eine Baugenehmigung?
- In Österreich ist der reine Fenstertausch in bestehenden Gebäuden in der Regel bewilligungsfrei, sofern keine wesentliche Änderung der Fassadenansicht oder der Gebäudestruktur erfolgt. Bei denkmalgeschützten Gebäuden oder in manchen Bundesländern können jedoch Meldepflichten oder Bewilligungsverfahren bestehen. Auch wenn baurechtlich keine Genehmigung nötig ist, müssen bauphysikalische Vorschriften (OIB-Richtlinien, Energieausweis) eingehalten werden. Im Zweifelsfall sollte die zuständige Baubehörde kontaktiert werden.
- Welche Werkzeuge und Maschinen sind für den professionellen Fenstertausch erforderlich?
- Neben Standard-Handwerkzeugen (Wasserwaage, Bohrmaschine, Akkuschrauber, Säge) werden für die Montage Montagekeile, Schlagschrauber für Rahmendübel und Dichtstoffpistolen benötigt. Bei größeren oder schweren Fenstern sind Saugheber oder Glassauger unverzichtbar, um Beschädigungen zu vermeiden. Für Arbeiten ab dem ersten Obergeschoss ist ein Gerüst oder eine Hebebühne erforderlich. Bei Objekten mit vielen Fenstern lohnt sich ein Montagewagen. Spezialwerkzeuge wie Blower-Door-Geräte für Dichtigkeitsprüfungen werden oft vom Energieberater gestellt.
- Kann man den Fenstertausch selbst durchführen oder sollte man einen Fachbetrieb beauftragen?
- Fachbetriebe garantieren normgerechte Montage nach ÖNORM B 5320 und übernehmen die Gewährleistung für Einbau und Abdichtung. Selbst bei handwerklichem Geschick ist die korrekte Abdichtung (innen dampfdicht, außen diffusionsoffen) sowie die statisch richtige Befestigung anspruchsvoll. Fehler führen zu Wärmebrücken, Schimmel oder Undichtigkeiten. Für Förderungen (z. B. Sanierungsbonus) ist meist der Nachweis einer fachgerechten Montage durch einen Fachbetrieb erforderlich. Eigenleistung ist möglich, aber nur bei entsprechender Erfahrung und ohne Förderungsanspruch empfehlenswert.
- Wie hoch sind die Gesamtkosten für den Tausch aller Fenster in einem Einfamilienhaus?
- Bei einem typischen Einfamilienhaus mit 15-20 Fenstern liegen die Gesamtkosten je nach Material zwischen 8.000 und 25.000 €. Kunststofffenster in Standardausführung kosten etwa 500-700 € pro Fenster inkl. Montage, Holz-Alu-Fenster 1.000-1.500 €. Hinzu kommen Fensterbänke innen und außen (100-200 € pro Fenster), Entsorgung der Altfenster (1.500-2.500 € gesamt) sowie ggf. Gerüstkosten (2.000-4.000 €). Laibungsarbeiten und Malerleistungen sind zusätzlich zu kalkulieren. Förderungen können 10-30 % der Kosten abdecken.
- Wie lange halten moderne Fenster und welche Wartung ist notwendig?
- Kunststofffenster haben eine Lebensdauer von 30-40 Jahren, Holz-Alu-Fenster 40-50 Jahre, Alufenster sogar bis 60 Jahre. Entscheidend ist die regelmäßige Wartung: Beschläge sollten jährlich gereinigt und geölt werden, Dichtungen auf Risse überprüft und bei Bedarf erneuert werden. Holzteile bei Holz-Alu-Fenstern benötigen je nach Beanspruchung alle 5-10 Jahre einen neuen Anstrich auf der Innenseite. Entwässerungsöffnungen im Rahmen müssen frei gehalten werden, um Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden. Eine professionelle Wartung alle 3-5 Jahre verlängert die Lebensdauer erheblich.